©LigaInsider/Getty ImagesTop-Elf-Prognose: 1. FSV Mainz 05 im Check
In diesem Top-Elf-Check richten wir den Fokus auf den 1. FSV Mainz 05. Nach dem Trainerwechsel im vergangenen Winter starten die Mainzer nun mit Urs Fischer in eine komplette Saison. Der Schweizer übernahm die Rheinhessen im Dezember 2025, stabilisierte die Mannschaft mit einer überzeugenden Rückrunde und führte sie am Ende auf Rang zehn. Nun kann der 60-Jährige seine Ideen erstmals über eine komplette Vorbereitung hinweg implementieren.
Anders als in der Vorsaison liegt der Fokus ausschließlich auf der Bundesliga. Personell richten sich die Blicke dabei vor allem auf das zentrale Mittelfeld. Mit Eric Martel wurde bereits ein passender Neuzugang verpflichtet, gleichzeitig ranken sich um Nadiem Amiri und Kaishu Sano weiterhin Wechselgerüchte.
Auch wenn bis zum Ende des Transferfensters noch Bewegung in den Kader kommen dürfte, lautet unser Ansatz wie gewohnt: Wie sieht die stärkste Mainzer Elf aus, die aktuell in einem Topspiel zu erwarten wäre?
Top-Elf: Robin Zentner (31)
Einen großen Teil der vergangenen Saison war die Mainzer Nummer eins mit einem Muskelbündelriss im Adduktorenbereich ausgefallen. Ersatzmann Daniel Batz vertrat ihn in dieser Phase so stark, dass er selbst nach Zentners Genesung zunächst im Kasten blieb. Da Batz nun jedoch zu Borussia Mönchengladbach wechselt, hat Zentner bei den Nullfünfern erstmal wieder freie Bahn. Es bleibt jedoch abzuwarten, mit wem sich Mainz auf dieser Position noch verstärkt. Auch ein echter Konkurrent, der Zentner das Leben schwer machen könnte, ist nicht gänzlich auszuschließen.
Rechter Innenverteidiger: Neuzugang
Stefan Posch (29) war seit dem Winter von Como ausgeliehen und ist formal erst einmal wieder weg. Die Nullfünfer versuchen im Hintergrund jedoch alles, um den Defensivallrounder fest am Bruchweg zu binden. „Mit Posch sind wir total zufrieden, wir haben klar gesagt, dass wir gerne weitermachen möchten“, betonte Sportdirektor Niko Bungert unlängst. Der Österreicher habe sich in der Rückrunde als echter „Fixpunkt und wichtiger Faktor“ bewährt, allerdings wisse man auch, „dass er nicht zum Schnäppchenpreis zu haben ist“. Gelingt der feste Transfer, könnte Posch nach der Verpflichtung von Fabio Gruber wieder auf seine Idealposition als rechter Innenverteidiger rücken. Ansonsten könnte hier noch ein neuer Innenverteidiger verpflichtet werden.
Zentraler Innenverteidiger: Fabio Gruber (23) | Alternative: Danny da Costa (33)
Mit Fabio Gruber hat Mainz bereits gezielt für das Abwehrzentrum nachgelegt. Der ehemalige Nürnberger bringt vieles mit, was für die zentrale Position in der Dreierkette gefragt ist: Ruhe am Ball, Kopfballstärke und eine bemerkenswerte Abgeklärtheit für sein Alter. Zudem strahlt der 23-Jährige Führungsqualitäten aus, die er zuletzt auch als Kapitän des 1. FC Nürnberg unter Beweis stellte. Es wäre zwar ein großer Schritt, ihm direkt die Rolle des Abwehrchefs im Zentrum zu übertragen, seine Qualitäten sprechen jedoch dafür, dass er diese Aufgabe mittelfristig ausfüllen kann.
Linker Innenverteidiger: Kacper Potulski (18) | Alternative: Dominik Kohr (32)
Dass der Cheftrainer dem Top-Talent vertraut, zeigte sich in der Schlussphase der vergangenen Saison, als Potulski am drittletzten Spieltag gegen St. Pauli plötzlich in der Startelf stand und Kohr weichen musste. Auch wenn der erfahrene Dauerbrenner danach wieder seinen Platz übernahm und das Rennen erst einmal offen bleibt, bringen wir das Juwel als Stammelf-Kandidaten ins Spiel. Vielleicht reicht es für den 18-Jährigen noch nicht direkt zu Saisonbeginn für den finalen Sprung vorbei an Kohr, aber er bringt schlicht alles mit. Potulski sammelte in der abgelaufenen Spielzeit bereits 15 Bundesliga-Einsätze, ist stark am Ball und besitzt eine kompromisslose Verteidiger-DNA. Allein aus wirtschaftlichen Gründen dürfte man das Talent im Laufe der Saison immer intensiver einbinden, auch wenn Kohr als namhafte Konkurrenz – besonders auch unter der Leitung von Fischer – ein ganz harter Brocken bleibt, an dem er erstmal vorbeikommen muss.
Rechte Schiene: Anthony Caci (29)
Eine schwerwiegende Oberschenkelverletzung bremste den Franzosen in der vergangenen Saison lange aus. Vor seiner Verletzung war Caci jedoch der stärkste Außenbahnspieler der Mainzer. Er kann beide Seiten bekleiden, kommt aber meistens rechts zum Einsatz. Sportdirektor Bungert lobte ihn bei seiner Vertragsverlängerung im Oktober folgerichtig: „Seine Ballsicherheit, sein Spielverständnis und seine großartige Entwicklung in der Defensive machen ihn zur idealen Besetzung für unsere Außenbahn.“ Trotz vereinzelter Wechselgerüchte gehen wir davon aus, dass er – auch bedingt durch seine lange Ausfallzeit – in Mainz bleibt.
Defensives Mittelfeld: Eric Martel (24)
Hier hat Mainz 05 auf dem Transfermarkt frühzeitig Nägel mit Köpfen gemacht. Der zweikampfstarke Martel kommt ablösefrei vom 1. FC Köln und bringt trotz seines noch jungen Alters bereits reichlich Erfahrung mit. Er dürfte klar mit der Perspektive Stammplatz an den Bruchweg gewechselt sein und übernimmt in unserer Top-Elf die Sechs. Der Platz wird frei, weil wir bei dem nach einer herausragenden Saison heiß umworbenen Kaishu Sano (25) einen Sommer-Abgang erwarten.
Zentrales Mittelfeld: Paul Nebel (23) | Alternative: Neuzugang
Nebel spielte eine überragende Rückrunde und spülte sich nach einer Verletzung von Nadiem Amiri dauerhaft in die Startelf. Starke vier Tore und zwei Vorlagen in seinen letzten elf Startelfeinsätzen sprechen eine klare Sprache. Einziger Haken: Sein Vertrag läuft 2027 aus. Sportvorstand Christian Heidel stellte bereits klar, dass ein Abschied des „super Typs“ zwar schmerzhaft wäre, ein Wechsel bei „entsprechend lukrativen Konditionen“ aber infrage käme. Verlängert Nebel, ist er als Kreativposten in der Zentrale fest eingeplant – womöglich auch als direkter Ersatz für Amiri. Bei einem Verkauf müsste Mainz hier in Erwartung eines Amiri-Abgangs auf jeden Fall extern nachlegen.
Zentrales Mittelfeld: Jaesung Lee (33) | Alternative: Nadiem Amiri (29)
Amiri ist im Mainzer Mittelfeld eigentlich unverzichtbar, strebt im Herbst seiner Karriere mit 29 Jahren aber noch einmal den Schritt zu einem Top-Klub an, weshalb die Tendenz hier auf Abschied steht. Ein heißer Ersatzkandidat ist mit Lee auch bereits im Kader vorhanden: Dessen Stammelf-Rückkehr hängt aber nicht allein an Amiris Zukunft, sondern auch an der von Nebel: Sobald sich einer der beiden verabschiedet, rückt der Südkoreaner, welcher vor dem Duo Nebel/Amiri immer gesetzt war, wieder auf. Erst im Februar verlängerte er seinen Vertrag. Bungert betonte dabei: „Jaesung Lee bestreitet bereits seine fünfte Saison als 05ER und spielte durchgängig eine tragende Rolle für unsere Mannschaft. Auf und neben dem Platz ist er stets ein Vorbild.“
Linke Schiene: Phillipp Mwene (32) | Alternative: Neuzugang
Der österreichische Nationalspieler ist der Prototyp des Mainzer Dauerbrenners. Ebenso wie Caci ist er auf beiden Außenbahnen flexibel einsetzbar, besetzt unter Fischer aber vorzugsweise die linke Schiene. Sportdirektor Bungert adelte ihn bei seiner Vertragsverlängerung im Februar: „Phillipp ist seit vielen Jahren eine wichtige Konstante in unserer Mannschaft – auf dem Platz, aber auch in der Kabine. Er ist ein überragender Charakter.“
Medienberichten zufolge arbeiten die Verantwortlichen in Mainz aktuell an einer Verpflichtung von Laurin Curda vom SC Paderborn. Der 24-Jährige überzeugte in der Aufstiegssaison auf der rechten Seite mit acht Toren und acht Vorlagen. Sollte ein Transfer tatsächlich Realität werden, wäre Curda ein Anwärter auf die Top-Elf. Caci könnte dann auf die linke Seite wechseln und hier Mwene verdrängen.
Stürmer: Sheraldo Becker (31)
Im Februar von CA Osasuna nach Rheinhessen gewechselt, hat sich der pfeilschnelle Angreifer im Nu festgebissen. Becker profitiert extrem von seinem Trainer Fischer, der ihn bereits aus gemeinsamen, erfolgreichen Zeiten bei Union Berlin bestens kennt und ihn unbedingt in Mainz haben wollte. Fischer betonte beim Transfer: „Er hat eine Wahnsinnsgeschwindigkeit, sucht sehr den direkten Weg zum Tor und bereitet auch Tore vor.“ Becker bringt das nötige Tempo für die Umschaltmomente mit und ist im Mainzer Angriff gesetzt. Neuzugang Ransford Königsdörffer (24) vom HSV lauert dahinter als Herausforderer. In diese Kategorie fällt auch der Langzeitverletzte Benedict Hollerbach (25), bei dem nach seiner schweren Achillessehnenverletzung aus dem Januar noch völlig unklar ist, wann er wieder spielen kann.
Stürmer: Phillip Tietz (29)
Den zweiten Platz im Mainzer Doppelsturm sichert sich Tietz. Der physisch starke Angreifer war im Winter vom FCA nach Mainz gewechselt, nachdem er in Augsburg zu wenig Spielzeit sah – im System von Fischer hat er seinen Platz als Wandspieler aber sofort gefunden. Bungert sagte beim Transfer: „Phillip Tietz ist genau die Verstärkung für die Offensive, die wir gesucht haben. Phillip ist ein erfahrener, zweikampfstarker Mittelstürmer, der mit seiner Körpergröße von 1,90 Meter, Wucht und physischer Präsenz Torgefahr kreieren kann.“ Genau diese Kombination aus einem robusten Wandspieler (Tietz) und einem schnellen Tiefenläufer (Becker) liebt Fischer. Tietz wird diesen Part deswegen auch in der neuen Saison ausfüllen.
Voraussichtliche Top-Elf 26/27




Zentner


Potulski


Gruber


Neuzugang


Mwene


Lee


Martel


Nebel


Caci


Tietz


Becker
Taktisch wird Fischer – in der gewohnten Ausrichtung unter Beibehaltung der Mainzer Prinzipien – wieder auf eine möglichst sattelfeste Dreierkette im 3-5-2-System setzen. Mit der frühen Verpflichtung von Martel haben die Verantwortlichen im defensiven Mittelfeld bereits vorgelegt, auch in der Erwartung des anstehenden Kaishu-Sano-Transfers. Während die beiden Außenbahnen sowie die Angriffsabteilung rund um das Duo Becker/Tietz erst einmal gut besetzt wirken, gibt es in den anderen Mannschaftsteilen hingegen noch Fragezeichen.
In der Innenverteidigung könnte dem hochveranlagten Potulski endgültig der Durchbruch gelingen. Schafft er den Sprung in die Stammelf, dürfte das vor allem zum Nachteil von Dauerbrenner Kohr werden, der um seinen Platz bangen müsste.
Die größten Fragezeichen lauern derweil im offensiven Mittelfeld: Mit Nebel und Amiri hat Mainz hier aktuell zwei völlig offene Personalien. Für die sportliche Führung wird es von enormer Bedeutung sein, zumindest einen der beiden Kreativposten für die neue Spielzeit zu halten. Gelingt dies, verfügt Mainz über ein sehr unangenehm zu bespielendes Kollektiv.
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