Zum Inhalt springen

Bayer 04 Leverkusen treibt die Neuausrichtung des Kaders für die Saison 2026/27 konsequent voran und hat den neuen Dauerbrenner auf der Linksverteidigerposition gefunden. Für eine kolportierte Ablösesumme von rund 30 Millionen Euro wechselt Miguel Gutiérrez von der SSC Neapel nach Leverkusen. Der 25-Jährige, der einst in Real Madrids Castilla ausgebildet wurde und erst im Sommer 2025 vom FC Girona nach Italien gewechselt war, unterzeichnet beim Werksklub einen langfristigen Vertrag und soll der linken Außenbahn der Leverkusener wieder spielerische Klasse verleihen.

 

Gutiérrez bringt reichlich internationale Erfahrung aus der Serie A und der Königsklasse mit: Bei Neapel absolvierte er in der abgelaufenen Spielzeit 36 Pflichtspiele. Dabei bewies er enorme Vielseitigkeit: 17-mal lief er als linker Schienenspieler auf, sechsmal als klassischer Linksverteidiger und in neun Partien half der Spanier sogar auf der rechten Außenbahn aus. Nun soll er in Leverkusen als fester Linksverteidiger das Spiel von hinten heraus aufbauen und prägen.

 

Spielmacher und technisch begabter Ballmagnet

Gutiérrez bringt ein Spielerprofil mit, das perfekt zu einer dominanten, ballbesitzorientierten Mannschaft passt. Er verfügt über eine herausragende Ballbehandlung, baut das Spiel ruhig und präzise aus der eigenen Abwehrkette auf und stoppt nicht an der Mittellinie: Er stößt regelmäßig in den Raum vor der zweiten Reihe vor und fungiert auf der linken Flanke quasi als linker Spielmacher.

 

Besonders im eigenen Ballbesitz erweist sich Gutiérrez als enorme Bereicherung. In Sachen Torschussvorlagen pro 90 Minuten befindet er sich im obersten Zehntel im Ligavergleich. Er findet auch unter engstem gegnerischen Druck stets spielerische Lösungen und hält das flüssige Kombinationsspiel der Mannschaft aufrecht. Zwar verbucht Gutiérrez verhältnismäßig viele Ballverluste, dieser Wert wird allerdings mit einem Topwert in Ballberührungen erklärt. Seine hohe Disziplin und mentale Stärke spiegeln sich in seiner Ruhe am Ball wider. Charakterlich agiert Gutiérrez bereits wie eine Führungspersönlichkeit, die Verantwortung auf dem Platz übernimmt.

 

Was ebenso ins Auge sticht, ist seine außergewöhnlich faire Spielweise: In der gesamten abgelaufenen Saison kassierte der Verteidiger lediglich eine einzige Gelbe Karte (in der Champions League gegen Eintracht Frankfurt in den Schlusssekunden). Allerdings war sein direkter Impact auf die Anzeigetafel überschaubar: Mit einem Tor und einer Vorlage blieben seine reinen Scorerwerte noch ausbaufähig. In einem System bei Girona, in dem die Schienenspieler in deutlich aussichtsreichere Positionen gelangen, erzielte er in drei Saisons insgesamt sechs Tore und 19 Vorlagen.

 

Defensiv wie physisch besitzt der schlanke Fußballprofi noch Steigerungspotenzial. Aufgrund seines leichtfüßigen Körperbaus fehlt es ihm in defensiven Umschaltmomenten und im direkten Körperkontakt noch etwas an der nötigen Durchschlagskraft und Athletik. Zweikämpfe gewinnt er oft über schlaue Ballgewinne am Mann. Durch Interceptions hingegen gewinnt er kaum den Ball. Um sich zu einem rundum kompletten Außenverteidiger zu entwickeln, muss Gutiérrez in Zweikämpfen über das gesamte Feld sowie bei der Endgeschwindigkeit in der Rückwärtsbewegung noch zulegen.

 

Der Grimaldo-Vergleich

Der Transfer von Gutiérrez steht zwangsläufig im Schatten des Abschieds von Alejandro Grimaldo, der für 25 Millionen Euro zu Atlético Madrid gewechselt ist. Bayer 04 ersetzt damit einen absoluten Schlüsselspieler der vergangenen Jahre.

 

gutierrez_grimaldo_b04_2526_spielerprofil.jpg

 

Im direkten Profil-Vergleich zeigen sich klare Parallelen, aber auch verständliche Unterschiede: Beide Akteure agieren gegen den Ball mit extrem viel Energie und Einsatzbereitschaft, stoßen ohne den passenden physischen Körperbau in der Ballrückeroberung jedoch an ähnliche Grenzen. Zudem bringen beide eine enorme Ausdauer und hohe Ballsicherheit mit.

 

Während Gutiérrez im Spielaufbau und in der Spielintelligenz extrem nah an seinen Vorgänger heranreicht, war Grimaldo im gegnerischen Drittel eine Klasse für sich. Vor allem bei der Flankenpräzision, der Torgefahr aus der Distanz und der Effizienz im Torabschluss agierte Grimaldo auf einem Ausnahmeniveau, das Gutiérrez wohl nicht erreichen kann. Ebenso fällt ohne Grimaldo eine einzigartige Waffe per Ecke und Freistoß weg. Diese kann und soll Gutiérrez nicht ersetzen.

 

Ebenso fällt auf, dass die Spielweise von Gutiérrez beim FC Girona der von Grimaldo bei Bayer 04 relativ ähnlich ist. Gutiérrez bekleidete dort oft den Part eines inversen Schienenspielers, der im Spielaufbau in die Mitte rückte und so die Struktur des Teams aus der Zentrale mitbestimmte. Grimaldo kam bei Bayer 04 eine ähnliche Rolle zu. Er tauchte oft in der Mitte, einige Male sogar als offensiver Mittelfeldspieler auf und kam so in gefährliche Spielsituationen. Ähnliche Ideen wären mit Gutiérrez also umsetzbar und demnach auch gut vorstellbar.

 

Fazit und Rollen-Prognose

Die Verpflichtung von Miguel Gutiérrez ist ein strategisch logischer und hochkarätiger Schritt der Leverkusener Führung. Für 30 Millionen Euro verpflichtet die Werkself einen extrem spielintelligenten und technisch versierten Außenverteidiger, der das 4-3-3 von Carles Martínez hervorragend ergänzen wird. Dennoch gilt: Grimaldo war ein Ausnahmefußballer, dessen Ausbeute man nicht 1:1 als Maßstab für seinen Nachfolger ansetzen darf. Gutiérrez wird Leverkusen eine neue, eigene Statik im Spielaufbau verleihen.

 

Bei Bayer 04 wird Gutiérrez die Rolle des linken Verteidigers in Vollzeit übernehmen und als Stammspieler eingeplant sein – eine Ablösesumme dieser Größenordnung unterstreicht das Vertrauen der Verantwortlichen. Die Konkurrenz für Gutiérrez ist nicht groß. Neben Jeanuël Belocian, der als Backup eingeplant sein wird, hat Bayer 04 keine klaren Optionen für den Posten. Daher prognostizieren wir Miguel Gutiérrez rund 2.400 von 3.000 möglichen Bundesliga-Spielminuten.

 

Hinweis: Die Spielzeit ist abhängig von Sperren, Verletzungen, Mehrfachbelastung usw. – die Mehrfachbelastung der Vereine versuche ich ungefähr mit einzukalkulieren. Die ungefähre Maximalspielzeit pro Ligasaison liegt bei ca. 3000 Minuten. Diese hat bspw. Patrick Mainka (1. FC Heidenheim) erreicht, der weder gesperrt noch verletzt war und auch keine europäischen Wettbewerbe gespielt hat. Zum Vergleich liegen Spieler wie Dayot Upamecano oder Jonathan Tah bei rund 1700–2000 Spielminuten und gelten dennoch als Stammspieler. Die Prognose der Spielzeit gilt deshalb als Anhaltspunkt für euch, um besser zu verstehen, welche Rolle ich einem neuen Spieler in seinem Verein zutraue.

Nächste Spiele

Schweres Programm
leicht (12)schwer (19)

Kommentare1

Diskutiere mit der Community über diesen Artikel.

Diskutiere mit der Community über diesen Artikel