Die TSG Hoffenheim lässt auf dem Transfermarkt aufhorchen und treibt die Kaderplanung für die Saison 2026/27 weiter voran. Für eine kolportierte Ablösesumme von rund 13 Millionen Euro wechselt Adam Daghim vom FC Red Bull Salzburg in den Kraichgau. Der 20-jährige dänische Nationalspieler, der in der vergangenen Spielzeit auf Leihbasis für den VfL Wolfsburg auflief, unterzeichnet bei den Hoffenheimern einen langfristigen Vertrag und soll dem Angriffsspiel der TSG ein Element extremer Dynamik verleihen.
Mit dem 1,89 Meter großen Linksfuß bekommt Cheftrainer Christian Ilzer einen Wunschspieler für die Offensive. „Adam ist ein junger, talentierter Spieler und war mit seinen Fähigkeiten und seiner enormen Geschwindigkeit der klare Wunschspieler für das gesuchte Profil“, erklärt TSG-Sportgeschäftsführer Andreas Schicker. „Mit seinen gerade einmal 20 Jahren verfügt er über ein großes Entwicklungspotenzial und kann trotzdem bereits auf internationale Erfahrungen auf Klubebene und in der Nationalmannschaft zurückgreifen.“
Für Salzburg absolvierte Daghim vor seiner Leihe nach Niedersachsen bereits 47 Pflichtspiele. In Wolfsburg sammelte der gebürtige Kopenhagener in der abgelaufenen Saison 30 Partien Bundesliga-Erfahrung. Nun soll er im Kraichgau den nächsten großen Schritt in seiner Entwicklung machen und das Hoffenheimer Umschaltspiel prägen.
Der auffälligste Parameter in Daghims Spiel ist seine schiere Dynamik: Mit einem gemessenen Topspeed von 36,32 km/h zählte er zu den vier schnellsten Spielern der gesamten Bundesliga. Dazu bringt er eine beeindruckende taktische Flexibilität mit. In der vergangenen Saison setzte Wolfsburg ihn auf nahezu allen Offensivpositionen ein – 14-mal auf Rechtsaußen, sechs-mal auf Linksaußen und neun-mal als zentrale Spitze.
Dabei verdeutlicht die Datenspur allerdings, dass Daghim kein klassischer Stoßstürmer ist. Im Torabschluss offenbarte der Däne bisher spürbare Mängel: Seine Schussgenauigkeit und seine xG-Werte pro 90 Minuten liegen im unterdurchschnittlichen Bereich im Vergleich zu anderen Bundesliga-Angreifern. Daghim verfügt zwar über einen enorm harten, aber bis dato unpräzisen Schuss, weshalb es ihm noch an der nötigen Durchschlagskraft im gegnerischen Strafraum fehlt.
Seine Stärken in der Offensive liegen vielmehr im Kreieren von Chancen für die Nebenleute. Bei den Vorlagen pro 90 Minuten bewegt er sich in überdurchschnittlichen Regionen, sucht immer wieder den Pass ins letzte Angriffsdrittel und glänzt mit hoher Präzision bei Steckpässen. Daghims Passquote von nur 66,9 % unterstreicht dabei nicht zwingend eine technische Schwäche, sondern vielmehr seine Vorliebe für ein risikoreiches, kompromisslos progressives Passspiel.
Den größten Wert für Hoffenheim bringt Daghim jedoch defensiv mit. Gegen den Ball agiert der 20-Jährige extrem engagiert, scheut keinen Zweikampf und gehörte bei Interceptions bereits zur Ligaspitze seiner Positionsgruppe. Hier macht sich seine Ausbildung in der renommierten RB-Schule bezahlt: Daghim wurde darauf gedrillt, nach Ballverlusten sofort nachzugehen und den gegnerischen Spielaufbau früh zu stören.
Für den von Christian Ilzer präferierten Fußball – geprägt von überfallartigen Kontern, intensivem Gegenpressing und extrem schnellen Ballgewinnen – ist der Däne der maßgeschneiderte Spielertyp. Unter Ilzer, der in der Vergangenheit bewiesen hat, dass er taktisch variabel agieren kann, wahrt Daghim dem Trainerteam seine Optionen. Im von Ilzer häufig genutzten 4-1-2-1-2-System mit Rauten-Mittelfeld dürfte Daghim vor allem als agiler, nach außen weichender linker Stürmer eingeplant sein.
Sollte Hoffenheim auf ein 4-3-3 oder ein anderes System mit Flügelstürmern umstellen, kann Daghim seine Tempovorteile ebenfalls wie gewohnt auf den Außenbahnen ausspielen. Seine Fähigkeit, defensive Aufgaben mit höchster Intensität zu erfüllen, erlaubt es der TSG, in Umschaltsituationen blitzschnell von der Defensive in den Angriffsmodus zu wechseln.
Der Transfer von Daghim ist eine gezielte Investition in die Hoffenheimer Spielphilosophie. Für 13 Millionen Euro holt die TSG einen physisch und athletisch herausragenden Akteur, der für den Ilzer-Fußball wie gemacht ist.
Der 20-jährige Däne ist in vielen Belangen im Abschluss jedoch noch sehr roh, und an seiner Durchschlagskraft vor dem Tor muss im Kraichgau intensiv gearbeitet werden. Seine Aktivität gegen den Ball und sein enormer Antritt machen ihn jedoch ab Tag eins zu einer wertvollen Waffe für die TSG.
Aktuell ist davon auszugehen, dass die TSG Hoffenheim noch einen weiteren Transfer für eine ähnliche Position tätigen könnte. Fisnik Asllani wird wohl den Verein verlassen. Es ist anzunehmen, dass die TSG nach dem Abgang noch einmal auf dem Transfermarkt tätig werden könnte. Die Konkurrenz ist dementsprechend weiterhin groß. Neben bereits länger im Verein verweilenden Spielern wie Tim Lemperle, Andrej Kramarić, Adam Hložek und Max Moerstedt, gilt es sich auch gegen neue Verstärkungen wie Patrick Wimmer, Bambasé Conté und Alessandro Vogt durchzusetzen.
Die Hoffenheimer haben somit ein extrem hohes Angebot an Spielern, die für die offensiven Positionen gedacht sind. Die Plätze in der Startelf sind jedoch begrenzt. Denkbar ist, dass sich Daghim zunächst als Joker beweisen muss. Auch in Wolfsburg war er letzte Saison nicht immer gesetzt. Dort spielte er 1.358 Minuten in der Bundesliga. Somit prognostizieren wir Adam Daghim rund 1.000 von 3.000 möglichen Bundesliga-Spielminuten.
Hinweis: Die Spielzeit ist abhängig von Sperren, Verletzungen, Mehrfachbelastung usw. – die Mehrfachbelastung der Vereine versuche ich ungefähr mit einzukalkulieren. Die ungefähre Maximalspielzeit pro Ligasaison liegt bei ca. 3000 Minuten. Diese hat bspw. Patrick Mainka (1. FC Heidenheim) erreicht, der weder gesperrt noch verletzt war und auch keine europäischen Wettbewerbe gespielt hat. Zum Vergleich liegen Spieler wie Dayot Upamecano oder Jonathan Tah bei rund 1700–2000 Spielminuten und gelten dennoch als Stammspieler. Die Prognose der Spielzeit gilt deshalb als Anhaltspunkt für euch, um besser zu verstehen, welche Rolle ich einem neuen Spieler in seinem Verein zutraue.
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