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Sechs Testspiele, drei verschiedene Rollen, Verantwortung bei Standards und auffallend viel Vertrauen vom neuen Trainer: Tim Blaszczak zählt bislang zu den Gewinnern der Sommervorbereitung des 1. FC Union Berlin.

 

Noch kennen den jungen Mittelfeldspieler außerhalb Köpenicks nur wenige. Die Eindrücke der vergangenen Wochen legen jedoch nahe, dass sich das im Laufe der Saison ändern könnte.

 

Lustrinelli setzt auf den 18-Jährigen

Blaszczak kam bislang in allen sechs Testspielen der Eisernen zum Einsatz. Während andere Nachwuchsspieler – darunter auch Top-Talent Linus Güther (16) – immer wieder pausierten, stand der 18-Jährige jedes Mal auf dem Platz.

 

Noch interessanter als seine Einsatzzeiten ist allerdings die Art und Weise, wie Mauro Lustrinelli ihn einsetzt. Der neue Union-Coach beschränkt Blaszczak nicht auf eine feste Position, sondern testet ihn bewusst in unterschiedlichen Rollen.

 

Mal agierte er als klassischer Achter, mal als linker Halbraumspieler mit vielen Bewegungen Richtung Außenbahn und im Test gegen den FC Winterthur sogar als tiefer Spielmacher auf der Sechs. Dort ließ sich Blaszczak im Spielaufbau regelmäßig zwischen die beiden Innenverteidiger fallen und unterstützte den Aufbau aus einer Dreierreihe heraus.

 

Auch darüber hinaus erhielt er auffällig viele Freiheiten. Mehrfach übernahm er Standardsituationen, forderte permanent den Ball und trat immer wieder durch seine Kommunikation mit den Mitspielern in Erscheinung. Für einen Spieler seines Alters ist dieses Vertrauen alles andere als selbstverständlich.

 

Ein Allrounder für das Zentrum

Genau diese Vielseitigkeit scheint Lustrinelli besonders zu schätzen. Blaszczak fühlt sich sowohl auf der Sechs als auch auf der Acht wohl und interpretiert beide Rollen unterschiedlich.

 

Als tiefer Spielmacher bringt er Ruhe in den Aufbau, bietet sich ständig an und überzeugt mit einem sauberen ersten Kontakt sowie hoher Passqualität. Rückt er eine Linie weiter nach vorne, kommen vor allem seine Dynamik, seine Tiefenläufe und sein Gespür für freie Räume zur Geltung.

 

Dabei sucht Blaszczak regelmäßig die vertikale Lösung. Statt den einfachen Querpass zu wählen, versucht er das Spiel anzukurbeln und Linien zu überspielen. Gerade in den Testspielen war zu erkennen, wie selbstverständlich er Verantwortung im Ballbesitz übernimmt.

 

Dass dieser Eindruck nicht nur auf wenigen Vorbereitungsspielen basiert, zeigen auch seine Zahlen aus der vergangenen U19-Bundesliga-Saison. Mit durchschnittlich 6,24 progressiven Pässen pro Partie gehörte er zu den auffälligsten Spielgestaltern der Liga. Hinzu kamen eine Dribblingquote von 75 Prozent sowie zwei Tore und drei Vorlagen in 23 Einsätzen.

 

Auffällig dabei: Viele gefährliche Angriffe leitete Blaszczak bereits mit dem vorletzten Pass ein. Sein Einfluss auf das Offensivspiel war deshalb größer, als es seine Scorer auf den ersten Blick vermuten lassen.

 

Schon erstaunlich komplett

Für einen Spieler seines Alters wirkt Blaszczak bereits erstaunlich ausgereift. Technik, Passspiel, Dynamik, Spielverständnis und Intensität bewegen sich auf einem hohen Niveau. Gleichzeitig fällt auf, wie konstant seine Leistungen bereits sind. Größere Ausreißer nach unten waren bislang kaum zu erkennen.

 

Entwicklungspotenzial besteht dagegen noch im Defensivspiel und in der Luft. Gerade gegen körperlich robuste Gegenspieler kann er noch zulegen. Ein erfahrener Partner wie der 1,88 Meter große Aljoscha Kemlein könnte ihn auf dieser Position gut ergänzen.

 

Vom Spielstil erinnert Blaszczak an dynamische Box-to-Box-Spieler wie Xaver Schlager oder Marcel Sabitzer. Weniger durch spektakuläre Einzelaktionen als vielmehr durch Intensität, Laufstärke und seine Fähigkeit, unterschiedliche Aufgaben im Zentrum zu übernehmen.

 

Die Tür könnte schneller aufgehen als gedacht

Blaszczak wechselte 2021 in den Nachwuchs des 1. FC Union Berlin und unterschrieb im Dezember 2025 seinen ersten Profivertrag. Bereits unter Steffen Baumgart sammelte er erste Erfahrungen unter den Profis, unter Mauro Lustrinelli scheint seine Entwicklung nun jedoch deutlich an Fahrt aufzunehmen. Für die Saison 2026/27 wird er bereits offiziell im Profikader geführt.

 

Die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld ist zwar groß, doch die Position neben Kemlein ist längst nicht endgültig vergeben. András Schäfer und Rani Khedira kämpfen um Einsatzzeit, zudem ist auch eine weitere Neuverpflichtung denkbar.

 

Es ist bemerkenswert, dass Lustrinelli seinem Nachwuchsspieler bereits jetzt regelmäßig unterschiedliche Aufgaben überträgt. Die Sommervorbereitung vermittelt jedenfalls den Eindruck, dass Blaszczak intern deutlich weiter ist, als viele Außenstehende vermuten.

 

In Kickbase ist der Youngster aktuell noch nicht vertreten. Sollte im Laufe der Saison das Bundesliga-Debüt folgen und er anschließend ins Spiel aufgenommen werden, dürfte die Nummer 44 langfristig zu einem interessanten Budgetspieler werden.

 

Für viele Bundesliga-Fans ist Tim Blaszczak derzeit noch ein unbeschriebenes Blatt. Nach den Eindrücken der vergangenen Wochen spricht jedoch einiges dafür, dass sich das bald ändern könnte. Nicht, weil Union Berlin keine Alternativen hätte, sondern weil Mauro Lustrinelli seinem 18-jährigen Mittelfeldspieler Aufgaben und Verantwortung überträgt, die normalerweise deutlich erfahrenere Profis übernehmen.

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Basis: Vorsaison

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