Adeline-Transfer: Was bringt der Neuzugang mit?
Der Hamburger SV hat sein Mittelfeld mit Martin Adeline verstärkt. Der 22-Jährige kommt vom französischen Erstliga-Aufsteiger ES Troyes und kostete laut BILD rund 4 Millionen Euro. Beim Bundesliga-Aufsteiger unterschrieb der Franzose einen langfristigen Vertrag bis 2030 (ohne Ausstiegsklausel).
Mit zehn Toren und elf Vorlagen in 32 Ligaspielen gehörte Adeline in der vergangenen Saison zu den prägenden Figuren des Troyes-Aufstiegs. Mit dieser Scorerausbeute machte er stark auf sich aufmerksam. Dennoch verpflichtet der HSV keinen fertigen Bundesliga-Spieler, sondern einen entwicklungsfähigen Mittelfeldakteur, der den Schritt aus der Ligue 2 in eine deutlich anspruchsvollere Liga nun erst erfolgreich meistern muss.
Adeline ist kein klassischer Zehner, der ausschließlich zwischen den Linien auf den entscheidenden Pass wartet. Seine größten Stärken liegen vielmehr in seiner Dynamik, seinen Tiefenläufen und seiner hohen Intensität gegen den Ball. Genau diese Eigenschaften hoben Trainer Merlin Polzin und Sportdirektor Claus Costa nach der Verpflichtung besonders hervor.
Polzin sprach von einer Intensität und Zweikampfführung, „die wir auf dieser Position in der Form noch nicht haben“. Costa ergänzte, Adeline verfüge über ein gutes Gespür für Räume im letzten Drittel und die Fähigkeit, immer wieder in torgefährliche Zonen vorzustoßen.
Sein Spiel ist insgesamt sehr zielstrebig angelegt. Adeline sucht häufig den direkten Weg Richtung Strafraum, stößt aus dem Mittelfeld konsequent nach und schließt selbst ab oder setzt einen besser postierten Mitspieler ein. Dass neun seiner zehn Ligatore innerhalb des Strafraums fielen, unterstreicht sein gutes Timing bei Vorstößen aus der zweiten Reihe.
Auch gegen den Ball arbeitet der Rechtsfuß sehr aktiv. Er beteiligt sich intensiv am Pressing, läuft Gegenspieler früh an und versucht, Ballgewinne möglichst hoch auf dem Feld zu erzwingen.
Für die Einordnung seiner Rolle ist eine Aussage von Merlin Polzin besonders wichtig: Adeline wurde ausdrücklich nicht als Ersatz für Fabio Vieira verpflichtet.
Während Vieira seine Stärken vor allem als kreativer Spielmacher besitzt, stellt Adeline einen abweichenden Spielertypen dar. Der Franzose interpretiert die offensive Mittelfeldrolle deutlich vertikaler, lebt von seinen Läufen in die Tiefe und seiner hohen Aktivität gegen den Ball. Dafür ist er weniger der klassische Ballverteiler, der das Spiel dauerhaft über Kreativität und Passqualität lenkt.
Verbesserungspotenzial besitzt Adeline weiterhin und vor allem im Defensivverhalten. Durch seine aggressive Spielweise geht er in viele Zweikämpfe, begeht dabei jedoch vergleichsweise häufig Fouls. Gerade in der Bundesliga dürfte es darauf ankommen, seine Intensität noch gezielter bzw. cleverer einzusetzen und in den direkten Duellen noch robuster zu agieren.
Polzin setzte beim HSV zuletzt bevorzugt auf eine Dreierkette und ein arbeitsintensives System, in dem die zentralen und offensiven Mittelfeldspieler gegen den Ball wichtige Aufgaben übernehmen. Der Trainer betont zudem regelmäßig, dass Neuzugänge neben der fußballerischen Qualität auch durch Arbeitsbereitschaft und Charakter zum eingeschlagenen Weg passen müssen. Adelines Laufstärke, seine Bereitschaft zum Pressing und seine vertikalen Aktionen entsprechen diesem Anforderungsprofil.
In einer 3-4-2-1-Grundordnung könnte er eine der beiden offensiven Halbpositionen hinter der Spitze besetzen. Ebenso ist ein Einsatz als offensiverer Achter denkbar, falls Polzin auf ein Mittelfeld mit drei zentralen Spielern umstellt. Weniger passend erscheint eine dauerhaft tiefe Rolle unmittelbar vor der Abwehr, da Adelines größte Wirkung durch Vorwärtsläufe und Aktionen in Tornähe entsteht.

Ein Blick auf das Spielerprofil im Vergleich mit Fabio Vieira verdeutlicht die unterschiedlichen Qualitäten beider Offensivspieler. Während der Portugiese insbesondere bei erfolgreichen Dribblings, Pässen ins letzte Drittel und Flanken Vorteile besitzt und damit als kreativerer Spielmacher auftritt, punktet Adeline vor allem mit seiner Dynamik und Torgefahr.
Der Franzose erzielte zuletzt mehr Tore und Vorlagen, spielte häufiger den vorletzten Pass und überzeugt zudem mit einer höheren Intensität gegen den Ball. Insbesondere bei Interceptions, Tacklings und zweiten Bällen bringt er Qualitäten mit, die gut zu Merlin Polzins lauf- und pressingintensivem Spielstil passen. Dafür muss Adeline im Ballbesitz noch konstanter werden und produziert bisher etwas mehr Ballverluste als sein Vergleichsspieler.

Im aktuellen Kader dürfte Albert Grønbæk zunächst ein Konkurrent für Adeline auf den offensiven Mittelfeldpositionen sein. Der Däne bringt ebenfalls Dynamik und Variabilität mit und kann sowohl als Achter als auch in offensiveren Rollen eingesetzt werden. Darüber hinaus scharrt eine Riege an Offensivspielern mit den Hufen, denen aus unterschiedlichen Gründen ein dauerhafter Durchbruch in der HSV-Elf bislang verwehrt geblieben ist.
Für die tieferen Positionen stehen mit Nicolai Remberg, Kofi Amoako und Albert Sambi Lokonga andere Spielertypen zur Verfügung, sodass Adeline vor allem im offensiven Zentrum eingeplant sein dürfte. Je nach Grundordnung kann der Franzose dabei sowohl eine offensive Achterrolle als auch eine Halbposition hinter der Spitze bekleiden.
Nicht ausgeschlossen ist zudem, dass sich die Konkurrenzsituation noch verändert. Der HSV bemüht sich vor allem weiterhin um eine Verpflichtung von Vieira, dessen Rückkehr nach Hamburg derzeit offen ist. Sollte der Portugiese noch verpflichtet werden, würde sich der Konkurrenzkampf im offensiven Mittelfeld entsprechend verschärfen. Es hätte gewiss Auswirkungen auf die Einsatzperspektive von Adeline.
Mit seiner Intensität, seinen Tiefenläufen und seiner Zielstrebigkeit bringt Adeline ein Profil mit, das gut zu den Vorstellungen von Polzin passt. Gleichzeitig steht der Franzose nach seinem Wechsel aus der Ligue 2 vor der Herausforderung, sich an das höhere Tempo und die größere körperliche Intensität der Bundesliga zu gewöhnen.
Der HSV dürfte ihm deshalb die notwendige Zeit zur Entwicklung geben. Statt sofort als unumstrittener Stammspieler eingeplant zu sein, spricht derzeit vieles dafür, dass Adeline zunächst über regelmäßige Joker-Einsätze und einzelne Startelfchancen in die Bundesliga reinfindet. Mit seinen Qualitäten besitzt er das Potenzial, sich im Saisonverlauf eine größere Rolle zu erarbeiten. Unsere Prognose: rund 700 bis 1100 von 3.000 möglichen Bundesliga-Spielminuten.
Hinweis: Die Spielzeit ist abhängig von Sperren, Verletzungen, Mehrfachbelastung usw. – die Mehrfachbelastung der Vereine versuche ich ungefähr mit einzukalkulieren. Die ungefähre Maximalspielzeit pro Ligasaison liegt bei ca. 3000 Minuten. Diese hat bspw. Patrick Mainka erreicht, der weder gesperrt noch verletzt war und auch keine europäischen Wettbewerbe gespielt hat. Zum Vergleich liegen Spieler wie Dayot Upamecano oder Jonathan Tah bei rund 1700–2000 Spielminuten und gelten dennoch als Stammspieler. Die Prognose der Spielzeit gilt deshalb als Anhaltspunkt für euch, um besser zu verstehen, welche Rolle ich einem neuen Spieler in seinem Verein zutraue.
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