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Entwarnung nach Verletzung: Haaland- Rückkehr absehbar©Getty/LigaInsider

Zum Siegen verdammt: Ecuador gegen Deutschland

Vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Ecuador steht Deutschland bereits als Tabellenerster fest. Julian Nagelsmann verzichtet trotzdem auf eine großflächige Rotation. Um den mühsam erarbeiteten Turnierrhythmus nicht zu gefährden, greifen lediglich zwei erzwungene Wechsel: Antonio Rüdiger rückt für den verletzten Nico Schlotterbeck in die Innenverteidigung, während David Raum den angeschlagenen Nathaniel Brown links hinten ersetzt.

 

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Formation mit den zwei angekündigten Wechseln und Deniz Undav statt Jamal Musiala. Bei Ecuador könnte Alan Franco in einer sehr defensiven Formation die rechte Seite beackern. Allerdings brauchen die Südamerikaner einen Sieg. In den ersten beiden Spielen agierte der gebürtige Hamburger John Yeboah rechts und Franco tiefer.

 

Durch den verletzungsbedingten Ausfall von Nathaniel Brown und den Start von David Raum verändert sich die linke Offensivseite der Nationalmannschaft fundamental. War Brown zuvor ein inverser Kombinationsspieler, der flüssige Positions-Rochaden mit Florian Wirtz initiierte, bringt Raum das klassische Profil eines gelernten Schienenspielers mit. Er wird mit hohem Tempo die Außenbahn besetzen, um Flanken in die Box zu schlagen.

 

Dieser Profilwechsel zwingt Florian Wirtz zu einer realtaktischen Anpassung. Der Leverkusener wird noch öfter als gewohnt in den linken Halbraum ziehen müssen, um die Linie für die Tiefenläufe von Raum freizumachen. Dass Wirtz die dafür nötigen Wege nicht scheut, bewies er im harten Match gegen die Elfenbeinküste, in dem er mit einer enormen Laufleistung von 12,57 Kilometern voranging.

 

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Durch das Fehlen Browns könnte Wirtz dessen eingerückte Position einnehmen, da Raum am stärksten ist, wenn er Flanken vom Flügel schlägt.

 

Im Mittelfeldzentrum zieht Nagelsmann mit Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha eine physisch extrem robuste Schaltzentrale auf. Nmecha agiert hierbei nicht nur offensiv, sondern auch als personifizierter Staubsauger vor der Abwehr. Seine herausragenden Defensivwerte aus dem letzten Spiel gegen die Ivorer – 15 geführte Tackles und stolze 14 Ballrückeroberungen – unterstreichen, wie rigoros er gegnerische Umschaltmomente im Keim erstickt.

 

Im eigenen Ballbesitz bleibt Joshua Kimmich der strategische Fixpunkt, der von rechts außen nach innen abkippt, um eine Dreierkette zu formieren. Wie wertvoll Kimmich für die Spieleröffnung ist, belegen seine 26 erfolgreichen linienbrechenden Pässe (bei 32 Versuchen) gegen die Elfenbeinküste.

 

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Mögliche Räume zum Kontern: Zwischen der Absicherung aus Kimmich, Tah, Schlotterbeck und dem Mittelfeld klafft nach Ballverlust eine große Lücke.

 

Ecuador hat andererseits für die deutsche Schwachstelle auf der rechten Abwehrseite (was das Tempo betrifft) einen hochinteressanten taktischen Kniff parat: Mittelfeldakteur Pedro Vite agiert im ecuadorianischen Spielaufbau als Freigeist und bot sich im letzten Spiel gegen Curaçao unermüdliche 117 Mal als Anspielstation an. Er kippt in Ballbesitz auch extrem tief auf die halblinke Position ab. Gonzalo Plata ist ebenfalls vielseitig einsetzbar und scheut trotz seines Stürmer-Profils keinen Weg nach hinten.

 

Durch das tiefe Abkippen von Vite wird der linke Außenverteidiger Piero Hincapié extrem weit nach vorne geschoben. Ecuador kreiert so eine bewusste, dynamische Überladung auf ihrer linken Angriffsseite. Rollen die Angriffe über Vite und Hincapié, wird Kimmich in der Rückwärtsbewegung isoliert, was Rüdiger zu einem extrem schnellen und fehlerfreien Herausrücken zwingt.

 

Chancenwucher gegen Curaçao

Gegen den Ball könnte Ecuador unter Abwehrchef Willian Pacho eine Fünferkette aufbieten. Diese kompakte, defensive Barriere soll die Räume im Zwischenlinienraum so eng machen, dass Jamal Musiala und Kai Havertz beim Aufdrehen blockiert werden. Ecuador fokussiert sich nicht auf eigenen Ballbesitz, sondern lauert auf Fehler im deutschen Zentrum.

 

Dass Ecuador trotz dieser spielerischen Ansätze erst bei einem Punkt steht, liegt an einem historisch anmutenden Chancenwucher. Die nackten Zahlen aus ihrem torlosen Remis gegen Curaçao sind paradox: Ecuador erspielte sich einen Expected-Goals-Wert von 2,76, feuerte 27 Schüsse ab, von denen 15 direkt auf das Tor gingen – und traf kein einziges Mal.

 

Stürmerstar Enner Valencia personifiziert diese extreme Abschlussschwäche derzeit perfekt. Allein gegen Curaçao verbuchte er 7 Torschüsse, ließ dabei beste Gelegenheiten freistehend liegen und schloss überhastet ab. Gegen das neue deutsche Abwehrbollwerk aus Tah und Rüdiger wird Ecuador diese Ineffizienz zum Verhängnis werden, wenn sie nicht spürbar kaltschneuziger agieren.

 

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Die erste und vielleicht größte Chance zuletzt gegen Curaçao. Ein langer Ball aus der Aufbaulinie hinter die ungeordnete gegnerische Defensive. Valencia startet durch, kreuzt mit Ball den Laufweg seines Gegenspielers, scheitert aber freistehend an Torhüter Room.

 

Sollte das Spiel aus dem Feld heraus zu einem zähen Geduldsspiel werden, besitzt Deutschland mit seinen Standardsituationen eine scharfe Waffe. Nagelsmann variiert die Ausführung extrem intelligent: Gegen physisch starke Innenverteidiger wie Pacho greift die DFB-Elf gern auf kurz ausgeführte Ecken zurück, um die Hereingabe verzögert aus dem Halbfeld auf den langen Pfosten zu ziehen.

 

Für Deutschland geht es darum, den Flow der ersten beiden Gruppenspiele fortzusetzen und sich für die K.O.-Partien zu wappnen, während Ecuador seine letzte Chance nutzen will, um ein überraschend frühes Ausscheiden zu verhindern. Die Südamerikaner können dabei auf eine kompakte Defensive bauen und müssen in der Offensive ihre Effizienz verbessern.

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