©LigaInsider/GettyIvorer fordern das DFB-Team: Härte gegen Spielfluss
Nach dem souveränen 7:1-Erfolg gegen Curaçao geht die deutsche Nationalmannschaft als Favorit in das Duell mit der Elfenbeinküste. Die Westafrikaner reisen jedoch mit spürbarem Rückenwind an: Durch ein spätes Tor in der 90. Minute sicherten sie sich einen hart umkämpften 1:0-Sieg gegen Ecuador. Während Deutschland auf spielerische Dominanz und variables Positionsspiel setzt, agieren die Ivorer extrem robust und lauern auf Umschaltmomente. Es zeichnet sich ein klassisches Geduldsspiel ab, in dem Kleinigkeiten über den Ausgang entscheiden werden.
Die Elfenbeinküste agierte gegen Ecuador in einer 4-4-2-Formation, die gegen den Ball phasenweise wie ein 4-2-4 wirkte. Die Außenstürmer schoben im Mittelfeldpressing weit nach oben, um die gegnerischen Außenverteidiger zu isolieren. Deutschland muss sich auf eine extrem harte Gangart einstellen. Die Viererkette agiert zwar körperlich enorm robust, offenbarte bei gegnerischen Flanken und Tiefenläufen (zwei Lattentreffer für Ecuador) jedoch deutliche Abstimmungsprobleme.

Yan Diomande (rechts außen) und Bazoumana Touré (links außen) verfolgen ihre direkten Gegenspieler. Es ergibt sich eine 4-2-4-Formation.
Im Spielaufbau setzte die Elfenbeinküste im ersten Gruppenspiel meist auf eine flache Viererkette, bei der auch mindestens einer der beiden Sechser Franck Kessié und Seko Fofana tief bleibt. Der Fokus liegt insgesamt eher auf der Kreativität der Außenstürmer, die durch die tiefe Position der Außenverteidiger für Eins-gegen-eins-Duelle isoliert werden sollen. Das Prunkstück der Ivorer ist zweifellos Yan Diomande, der gegen Ecuador über die rechte Seite immer wieder auch Tempowechsel nutzte, um seinen Gegenspieler Piero Hincapié stehenzulassen. Vier seiner sechs Dribblings auf beiden Seiten waren erfolgreich. Im Laufe des Spiels bewies die Elfenbeinküste jedoch taktische Flexibilität. Nach der Auswechslung von Touré rückte Diomande auf den linken Flügel, von wo er mit seinem rechten Fuß nach innen ziehen kann.
Gegen Deutschlands erwarteten Dreier-Aufbau könnte die Elfenbeinküste realtaktisch von ihrem 4-4-2 zu einem 4-3-3 zurückkehren, um den deutschen Spielaufbau im hohen Anlaufen effektiver zu stören. Zunächst ist aber zu erwarten, dass die beiden Mittelstürmer in Unterzahl anlaufen. Eine Schlüsselrolle wird der linke Flügel einnehmen. Da der gegen Ecuador blasse Touré wackelt, könnte der treffsichere Amad Diallo (Manchester United) in die Startelf rücken. Zudem bleibt abzuwarten, ob Stürmer Elye Wahi nach seiner zwischenzeitlichen Einreisesperre voll einsatzbereit ist.
Deutschland wiederum wird unter Bundestrainer Julian Nagelsmann das bewährte 4-2-3-1 aufbieten, das sich mit Ball in ein hochflexibles, asymmetrisches System verwandelt. Im Aufbau kippt Joshua Kimmich nach innen ab, um mit Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck eine Dreierkette zu bilden. Dies erlaubt es Linksverteidiger Nathaniel Brown, deutlich höher zu schieben. Die Schaltzentrale bildeten zuletzt Felix Nmecha und Aleksandar Pavlović, wobei Nmecha deutlich offensiver agierte, während die Offensivreihe um Jamal Musiala und Florian Wirtz im Zwischenlinienraum permanent die Positionen tauschte. Diese extreme Variabilität im letzten Drittel wird der Schlüssel sein, um die Mannorientierung der Ivorer aufzubrechen.
Ein zentraler Erfolgsfaktor für das deutsche Spiel wird die Rolle von Kai Havertz sein. Als „falsche Neun“ lässt er sich tief fallen, um die gegnerischen Innenverteidiger aus der Kette zu locken – ein Muster, das gegen Curaçao exzellent funktionierte. Da die ivorische Defensive zu Manndeckungen neigt, könnten dadurch Lücken für die nachrückenden Wirtz und Musiala entstehen.
Sollte das Spiel im Zentrum dennoch stocken, bleibt das deutsche Flügelspiel die schärfste Waffe: Wirtz zieht unaufhörlich von links nach innen, während Leroy Sané auf rechts die Breite hält. Da Curaçao mit einer Mittelfeldraute verteidigte, forcierte Deutschland das Spiel über außen und schlug 20 Flanken, von denen aber nur 7 einen Abnehmer fanden. Sané muss seine Effizienz steigern und riskante Ballverluste im Aufbau minimieren, da die Ivorer im Umschaltspiel brandgefährlich sind.

Auch ein Grund für den hohen Sieg gegen Curaçao: Noch in der Schlussphase bekommt das DFB-Team aussichtsreiche Kontergelegenheiten, während gleich fünf Gegenspieler vorne parken.
Besonders im Fokus wird das Duell auf der deutschen rechten Abwehrseite stehen. Wenn Diomande, wie gegen Ende der Ecuador-Partie, auf den linken Flügel wechselt, trifft er direkt auf Joshua Kimmich. Bundestrainer Nagelsmann könnte auf der rechten Seite über den defensivstarken Jamie Leweling als Unterstützung für Kimmich nachdenken.
Ein unterschätzter, aber möglicherweise spielentscheidender Faktor werden die Standardsituationen sein. Deutschland zeigte sich gegen Curaçao nach ruhenden Bällen extrem gefährlich und holte allein in der ersten Halbzeit sechs von acht Ecken. Nico Schlotterbeck bewies dabei einen enormen Torriecher beim Einlaufen am kurzen Pfosten. Präzise Ecken von Kimmich und Brown können ein effektiver Dosenöffner sein, um das erwartete ivorische Abwehrbollwerk zu knacken.
Die Elfenbeinküste verfügt über kein spielerisches Übergewicht, wird Deutschland aber mit Aggressivität, Härte und der enormen Physis von Kessié und Wilfried Singo fordern, der als Innen- oder Rechtsverteidiger auflaufen kann. Ihn im Anlaufen zum Andribbeln zu verlocken, könnte erfolgversprechend sein. Als Rechtsverteidiger bereitete er andererseits den Siegtreffer gegen Ecuador durch eine solche Situation vor.
Wenn die deutsche Mannschaft ihr starkes Gegenpressing aus dem Curaçao-Spiel aufrechterhält und die ivorischen Umschaltmomente über Diomande im Keim erstickt, wird sich die spielerische Klasse am Ende durchsetzen.















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