©LigaInsider/GettyImagesBatista-Meier-Transfer: Ein Spiel mit dem Feuer
Der SC Paderborn 07 rüstet sich weiter für die kommende Bundesligasaison und treibt seine Kaderplanungen weiter voran. Der Klub hat am Donnerstag die Verpflichtung von Oliver Batista Meier bekannt gegeben. Der 25-jährige Offensivspieler wird den SC Preußen Münster nach nur einem Jahr wieder verlassen.
Bei den Paderbornern trifft der Techniker auf einen alten Bekannten: SCP-Geschäftsführer Sebastian Lange kennt das einstige Bayern-Talent noch bestens aus der gemeinsamen Zeit beim SC Verl. Für den Bundesliga-Rückkehrer, der sich in einer dramatischen Relegation gegen den VfL Wolfsburg durchgesetzt hat, ist dieser Transfer ein hochspannender, aber auch vieldiskutierter Mosaikstein für das Abenteuer Oberhaus.
Oliver Batista Meiers Spielstil zeichnet sich primär durch extreme Kreativität, Spielwitz und überragende Qualitäten im klassischen Spielaufbau aus. In der abgelaufenen Zweitliga-Saison war er trotz des Absturzes der Preußen mit zehn Scorerpunkten (sechs Tore, vier Vorlagen) der gefährlichste Aktivposten der Münsteraner. Seine Gabe, die Mitspieler selbst aus tiefen Positionen mit höchster Präzision anzuspielen, hält gegnerische Abwehrreihen ständig auf Trab. Zudem ist sein Spielaufbau aus der Abwehr heraus außergewöhnlich gut, was seiner Mannschaft einen schnellen, flüssigen Übergang von der eigenen Verteidigung direkt in den Angriff ermöglicht.

Doch so brillant Batista Meier in der Offensive und in Aktionen mit dem Ball auch sein mag: Das Spiel ohne Ball bleibt die große Achillesferse in seinem Profil. Er offenbart erhebliche Schwierigkeiten bei der Ballbehauptung, verliert viele Bälle und zeigt bei der aktiven Balleroberung Schwächen auf. Sein unterdurchschnittlicher Wert bei Ballverlusten deutet darauf hin, dass er in engen Räumen gegen bundesligataugliche Defensivspieler ins Straucheln geraten kann, was die eigene Mannschaft in der Rückwärtsbewegung anfällig machen könnte. Zudem sind seine defensiven Beiträge massiv limitiert. Mit mageren vier Balleroberungen in der gesamten abgelaufenen Saison wird statistisch überdeutlich, dass er bei der sofortigen Rückeroberung des Balles kaum effektiv eingreift.
In Paderborn dürfte seine Rolle auf dem Papier stark der von Filip Bilbija ähneln. Batista Meier ist kein klassischer Neuner, sondern ein spielstarker Freigeist, der als zweiter Stürmer, hängende Spitze oder im offensiven Mittelfeld Räume besetzt und Chancen kreiert. Während Bilbija in seinen Aktionen allerdings noch einen Tick torgefährlicher und abschlussorientierter agiert, legt Batista Meier den Fokus verstärkt darauf, seine Nebenleute mit klugen Steckpässen in Szene zu setzen.
Taktisch betritt Batista Meier an der Pader hochspannendes Neuland. Aufsteiger-Trainer Ralf Kettemann, der das Team nach dem Abgang von Lukas Kwasniok sensationell ins Oberhaus geführt hat, gilt als Verfechter eines intensiven und laufstarken Fußballs, der in weiten Teilen an die Paderborner Ära von Steffen Baumgart erinnert. Kettemann fordert von seinen Offensivspielern bedingungslose Wege in die Tiefe und ein aggressives, rücksichtsloses Anlaufverhalten. Genau hier liegt die taktische Herausforderung für den Neuzugang: Er muss lernen, sich in ein System einzufügen, in dem Disziplinlosigkeit im Abstiegskampf der Bundesliga tödlich sein kann.
Wie riskant diese Personalie ist, zeigte sich im dramatischen Saisonendspurt in Münster: Im existenziellen Abstiegskampf der 2. Bundesliga setzte Alois Schwartz den Top-Scorer wegen seiner mangelnden Defensivbereitschaft in den alles entscheidenden Partien rigoros auf die Bank – am Ende stiegen die Preußen dennoch ab.
Diese eklatante Defensivschwäche könnte ihm und dem SC Paderborn in der Bundesliga schnell zum Verhängnis werden. Für einen klaren Abstiegskandidaten, bei dem kollektive Defensivarbeit und unermüdliches Gegenpressing das Fundament für den Klassenerhalt bilden müssen, ist die Verpflichtung eines solchen Spielertyps ein echtes Spiel mit dem Feuer.
Paderborn setzt bei diesem Transfer darauf, dass Geschäftsführer Sebastian Lange und Trainer Ralf Kettemann den exzentrischen Techniker emotional packen und seine defensiven Mängel im geschlossenen Kollektiv auffangen können. Gelingt dies, hat der SCP ein spielerisches Genie für den Klassenerhalt gewonnen. Denkbar ist erst einmal eine Reservistenrolle hinter Filip Bilbija, in der Batista Meier sich mit Kurzeinsätzen beweisen kann. Kettemann hat schon oft bewiesen, dass die Offensivposten bei ihm nach dem Leistungsprinzip aufgestellt werden. So spielte sich beispielsweise Stefano Marino, der in der Hinrunde zeitweise nicht einmal im Kader stand, in der Rückrunde fest in die Startelf. Dadurch könnte Batista Meier im Verlauf der Saison auch seine Chance ergreifen.
Oliver Batista Meier dürfte seine erste Bundesliga-Saison zunächst als Herausforderer beginnen. Unsere Prognose: rund 900 von 3.000 möglichen Bundesliga-Spielminuten.
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