©LigaInsider/GettyImagesVan den Bosch oder Friedrich? Die Prognose
Mit Zeno Van den Bosch und Marvin Friedrich hat der 1. FC Union Berlin gleich zwei neue Innenverteidiger verpflichtet, die sich berechtigte Hoffnungen auf einen Stammplatz machen dürften. Während der Belgier als vielversprechender Spieler mit Entwicklungspotenzial und moderner Spielweise kommt, kehrt Friedrich als erfahrener Bundesliga-Profi an die Alte Försterei zurück. Unter dem neuen Trainer Mauro Lustrinelli könnte sich daraus ein spannendes Duell in der Vorbereitung entwickeln.

Van den Bosch bringt trotz seines jungen Alters bereits reichlich Erfahrung aus Belgien mit und sammelte auch auf internationaler Bühne wertvolle Einsatzminuten. Die größten Stärken des 22-Jährigen liegen im Spiel gegen den Ball und im Aufbau. Der Innenverteidiger zeichnet sich durch ein starkes Stellungsspiel aus, erkennt Situationen frühzeitig und löst viele Defensivaktionen über Antizipation statt über kompromisslose Zweikämpfe. Zudem gilt er als ausgesprochen passsicher und kann das Spiel mit vertikalen Zuspielen oder langen Verlagerungen beschleunigen.
Auch die Daten unterstreichen dieses Profil. Van den Bosch überzeugt mit starken Werten bei Interceptions (1,55 pro 90 Minuten) und Pässen ins letzte Drittel (9,49 pro 90 Minuten). Damit verkörpert er genau den modernen, spielstarken Innenverteidiger, der Angriffe bereits aus der letzten Linie heraus initiieren kann.
Gerade diese Qualitäten könnten unter Lustrinelli besonders gefragt sein. Der Schweizer bevorzugt einen aktiven, mutigen Fußball mit hohem Pressing und schnellen Umschaltmomenten. Dafür benötigt die erste Aufbaulinie Verteidiger, die unter Druck Lösungen finden und Angriffe einleiten können. Genau in diesem Bereich bringt Van den Bosch seine größten Stärken mit.
Auf der anderen Seite steht mit Marvin Friedrich ein Spieler, der Union bestens kennt. Der 30-Jährige gehörte über Jahre zu den Gesichtern des Klubs und war maßgeblich am Aufstieg sowie an der erfolgreichen Etablierung in der Bundesliga beteiligt.
Seine Qualitäten liegen vor allem im klassischen Verteidigen. Friedrich ist zweikampfstark, kopfballgefährlich und besitzt große Erfahrung im Verteidigen des eigenen Strafraums. Zudem bringt er Führungsqualitäten mit.
Auch die Leistungsdaten zeichnen ein anderes Profil als bei seinem Konkurrenten. Friedrich überzeugt insbesondere bei Klärungsaktionen und Luftduellen. Er zählt klar zur Kategorie des robusten Strafraumverteidigers, der Gefahrensituationen konsequent bereinigt und Stabilität ins Defensivspiel bringt.

Sollte Lustrinelli tatsächlich auf die zu erwartende Viererkette setzen, werden die Plätze im Abwehrzentrum neu verteilt. Dabei spricht einiges dafür, dass Van den Bosch gute Chancen besitzt, sich zumindest mittelfristig einen Stammplatz zu sichern. Geschäftsführer Horst Heldt verwies bereits bei der Verpflichtung, dass der Neuzugang „sofort weiterhelfen“ kann.
Van den Bosch bringt viele Eigenschaften mit, die zum angestrebten Spielstil des neuen Trainers passen. Seine starke Passquote, die Progressivpass-Qualität und „eine gute Beweglichkeit“ (Heldt) könnten gerade gegen höher pressende Gegner ein wichtiger Faktor werden. Für ein intensives Pressingsystem mit mutigem Spielaufbau scheint sein Profil besonders geeignet.
Der Rechtsfuß wurde in der vergangenen Saison nahezu ausschließlich auf der rechten Seite der Innenverteidigung eingesetzt und dürfte auch bei Union bevorzugt dort eingeplant sein.
Es wäre aber nicht überraschend, wenn Van den Bosch Anpassungszeit für das Bundesliga-Niveau braucht. Hier kommt Friedrich als schon bewährte Option ins Spiel, der mit seinem konservativen Verteidigungsstil den Risiko-Faktor ausbalancieren könnte. Gerade in Spielen, in denen Union stärker verteidigen muss oder körperliche Präsenz gefragt ist, kommen seine Argumente zum Tragen.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist zu erwarten, dass Zeno Van den Bosch möglichst die Lösung für die weitere Zukunft sein soll und mit einem Vorteil in die Vorbereitung startet. Seine schon gesammelten Erfahrungen auf relativ gutem Niveau, das noch vorhandene Entwicklungspotenzial und vor allem die öffentliche Kommunikation des Vereins deuten darauf hin, dass der Belgier nicht als Ergänzungsspieler für die Bank verpflichtet wurde, sondern mittelfristig eine tragende Rolle übernehmen soll.
Ganz ohne Fragezeichen kommt die Personalie allerdings nicht daher. Der Sprung aus der belgischen Liga in die Bundesliga ist anspruchsvoll, weshalb nicht ausgeschlossen werden kann, dass Van den Bosch eine Weile für die Adaption benötigt. Marvin Friedrich bringt reichlich Ligaerfahrung mit und stellt eine verlässliche Alternative dar. Zwar blieb seine Einsatzzeit in den vergangenen Jahren überschaubar, dennoch dürfte er als routinierter Konkurrent den Druck auf Van den Bosch hochhalten.
Wie die Rollen intern genau definiert wurden, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Für die aktuelle Top-Elf-Prognose spricht dennoch mehr für Van den Bosch.
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