©LigaInsider/GettyImagesRB-Profil ohne RB-Schule: So tickt Martín Demichelis
RB Leipzig sorgt für einen Paukenschlag in der laufenden Sommerphase: Martín Demichelis wird neuer Cheftrainer am Cottaweg und tritt damit die Nachfolge von Ole Werner an. Wie Sky berichtet, einigten sich die Verantwortlichen um Oliver Mintzlaff, Jürgen Klopp und Mario Gomez auf den Argentinier und nutzten eine vertraglich verankerte Ausstiegsklausel in Höhe von 2,5 Millionen Euro, um den 45-Jährigen vorzeitig von seinem aktuellen Klub RCD Mallorca loszueisen.
Mit Demichelis holen die Sachsen einen Coach, der die Bundesliga aus seiner aktiven Zeit als Spieler bestens kennt, Erfahrung in der Talentförderung mitbringt und taktisch für einen Fußball steht, der gut zum Leipziger Profil passt.
Dass Demichelis in das Anforderungsprofil der Leipziger Kaderplaner passt, zeigt ein genauer Blick auf seine bisherige Trainerlaufbahn. Nach seinem Rücktritt vom Profifußball im Jahr 2017 stieg der ehemalige Verteidiger direkt ins Trainergeschäft ein. Nach ersten Erfahrungen als Co-Trainer beim Málaga CF übernahm er im Juni 2019 gemeinsam mit Danny Schwarz die U19 des FC Bayern München.
Dort betreute Demichelis den Münchner Nachwuchs in der U19-Bundesliga sowie auf internationalem Parkett in der UEFA Youth League. Schnell erwarb er sich den Ruf eines spielernahen Kommunikators, der eine ausgeprägte menschliche Nähe zu seinen Schützlingen pflegt. Unter seiner Führung reiften Akteure wie Jamal Musiala, Angelo Stiller, Malik Tillman und Joshua Zirkzee zu Spielern heran, die später internationales Format erreichen sollten.
Der logische nächste Schritt folgte im April 2021 mit der Beförderung zum Cheftrainer des FC Bayern München II. In der Regionalliga Bayern stabilisierte Demichelis die zweite Mannschaft der Münchner in der Spitzengruppe und landete in der Saison 2021/22 auf einem respektablen zweiten Platz. Seine Arbeit als Förderer junger, hungriger Spieler passt zu einem Fundament, auf dem auch RB Leipzig seit Jahren aufbaut.
Nach seiner Zeit in Deutschland zog es Demichelis zunächst in sein Heimatland zum Club Atlético River Plate, anschließend nach Mexiko zum CF Monterrey und später zurück nach Europa zum spanischen Erstligisten RCD Mallorca. Dort übernahm er einen Verein, der historisch eher für robusten Pragmatismus und tief verteidigende Fünferketten bekannt war. Demichelis vollzog auf den Balearen jedoch einen deutlichen Wandel und etablierte einen proaktiveren Ansatz.
Der Argentinier setzte auf ein 4-3-1-2-Rautensystem, bei dem die beiden äußeren Mittelfeldspieler zwar leicht breiter, aber weiterhin zentral positioniert sind. Ziel ist es, im Zentrum Dichte zu erzeugen und das vertikale Spiel nach vorne zu forcieren. Durch vier technisch starke Spieler im zentralen Quartett entstehen im mittleren Drittel regelmäßig Überzahlsituationen, über die Demichelis Kontrolle herstellen will.
Ballbesitz versteht der Argentinier dabei nicht als Selbstzweck. Entscheidend ist das vertikale Passspiel in die Zwischenlinienräume, sobald dort ein Spieler mit offenem Blick zum gegnerischen Tor aufdrehen kann. Um diese Räume freizuziehen, agieren die beiden Spitzen mit permanenten Tiefenläufen, die die gegnerische Abwehrkette nach hinten drücken. Lässt sich der Zehner anschließend fallen, rückt ein Achter dynamisch nach. So bleibt die vertikale Besetzung erhalten und die gegnerischen Innenverteidiger werden vor schwierige Zuordnungsfragen gestellt.
Wir haben versucht, die statistische Umsetzung dieser Philosophie in den letzten zehn Pflichtspielen der abgelaufenen Saison unter Demichelis darzustellen:

Der Fokus auf den eigenen Ballbesitz war bei Mallorca nicht das alleinige Primärziel, zeigte sich aber dennoch in ausgeprägter Spieldominanz und guten Werten bei erfolgreichen Pässen pro 90 Minuten. Eine Schlüsselrolle nahm dabei der defensive Sechser ein, der als primärer Spielmacher fungierte und sich in der ersten Aufbauphase häufig zwischen die Innenverteidiger fallen ließ, um eine temporäre Dreierkette zu bilden.
Dadurch konnten die Außenverteidiger extrem hoch und breit nach vorne schieben. Sie waren die wichtigste Quelle für Breite im System und zogen den Gegner horizontal auseinander. Entsprechend gehörte Mallorca statistisch zu den flankenintensivsten Teams der Liga.
Konnte der enge zentrale Korridor nicht direkt bespielt werden, wurde die Flanke zum probaten Mittel. Trotz der offensiven Ausrichtung blieb die defensive Kompaktheit stabil, was sich in einer geringen Anzahl an Gegentoren widerspiegelte. Gegen den Ball agierte Mallorca dabei phasenweise so, wie es zur bekannten RB-Schule passt: mit intensivem Gegenpressing nach Ballverlust. Statistisch zeigte sich das auch in einer hohen Foulquote, weil gegnerische Umschaltmomente früh unterbunden werden sollten.
Martín Demichelis und RB Leipzig könnten gut zusammenpassen. Der Argentinier bringt eine Spielidee mit, die in vielen Punkten zum Leipziger Profil passt. Mit David Raum und Ridle Baku stehen ihm zwei lauf- und flankenstarke Außenverteidiger zur Verfügung, die seine taktische Forderung nach hochschiebenden Spielern auf den Außenbahnen erfüllen können.
Im Mittelfeldzentrum findet Demichelis mit Nicolas Seiwald, Christoph Baumgartner und Assan Ouédraogo mehrere technisch versierte und pressingresistente Akteure vor, die für sein anspruchsvolles Rauten-Quartett wichtig werden könnten.
Auch für offensive Spieler wie Antonio Nusa oder Johan Bakayoko, die nominell eher von der Außenbahn kommen, bietet das System eine spannende Perspektive. Da im Doppelsturm permanente Tiefenläufe gefordert sind, um die gegnerische Kette auseinanderzuziehen und Räume zu öffnen, könnten beide mit ihrer Grundschnelligkeit und Agilität in vorderster Front zu echten Waffen werden.
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