©GettyImages/LigaInsiderUno-Transfer: Ersatz für Engelhardt?
Borussia Mönchengladbach treibt die Kaderplanung für die kommende Saison weiter voran und hat mit Zento Uno einen weiteren Neuzugang präsentiert. Der Japaner wechselt von den Shimizu S-Pulse an den Niederrhein und soll das Mittelfeld verstärken. In seiner Heimat führte der 22-Jährige sein Team zuletzt mehrfach als Kapitän aufs Feld. Bei den Fohlen erhielt Uno einen Vertrag bis 2030. Bei einem aktuellen Marktwert von rund 750.000 Euro laut Transfermarkt könnte sich hier ein smarter Transfer für die Fohlen abzeichnen.
Wir zeigen euch im Vergleich, was die Stärken des Achters sind, wie er das Profil von Yannick Engelhardt auffangen soll und wie viel Spielzeit in der kommenden Saison realistisch ist.
Die Notwendigkeit im Gladbacher Mittelfeld ist groß, da der Verein den bitteren Verlust von Yannick Engelhardt verkraften muss, den Gladbach aufgrund der Tatsache, dass er nur von Como 1907 ausgeliehen und eine Weiterverpflichtung zu teuer war, verloren hat. Engelhardt war in der abgelaufenen Spielzeit ein wichtiger Stabilisator im System, weshalb das Profil des neuen Mannes möglichst passend gewählt werden musste.
Ein detaillierter Blick auf die relevanten Leistungswerte zeigt auf dem Papier beeindruckende Zahlen für Zento Uno. Hierbei muss man allerdings klar einräumen, dass Uno in der qualitativ deutlich schwächeren japanischen J1 League auflief. Die statistischen Werte sind daher keineswegs als direktes, eins zu eins übertragbares Upgrade zur Bundesliga zu verstehen. Vielmehr dienen sie dazu, das fußballerische Profil des Spielers besser einzuordnen und seine Kernkompetenzen zu verdeutlichen.

Während Engelhardt im Spielaufbau mit einer Passgenauigkeit von 85,9 Prozent die Nase vorn hat, weiß Uno gegen den Ball zu überzeugen. Geht es um die defensiven Pflichten, spiegeln sich Unos Stärken klar in den Daten wider: Im direkten Zweikampf am Boden agiert der Neuzugang griffig und verbucht im Schnitt 2,7 Tacklings pro Begegnung.
Besonders ausgeprägt präsentiert sich das Profil des 22-jährigen Japaners beim Abfangen gegnerischer Bälle, wo er 1,9 Interceptions pro 90 Minuten vorweist. Dass Uno kein reiner Zerstörer ist, unterstreichen zudem die offensiveren Parameter. Im Dribbling sucht er mit 0,3 Versuchen pro Spiel etwas mutiger den Weg nach vorne als Engelhardt, der sich mit 0,1 Dribblings fast vollständig zurückhielt. Auch wenn dies wohl kein Wert ist, der spielverändernd ist, kann es zu netten Umschaltmomenten führen, wenn Uno auch mit dem Ball am Fuß progressiv Angriffe einleitet.

Die Daten untermauern trotz des Niveau-Unterschieds der Ligen, dass man von Zento Uno einen sehr fleißigen und verlässlichen Sechsertyp vor der Abwehrkette erwarten kann. Seine absoluten Kernkompetenzen liegen klar in den Ballgewinnen und einem starken Stellungsspiel. Uno antizipiert gegnerische Angriffe frühzeitig und fängt Bälle clever ab. Gepaart mit einer überdurchschnittlichen Ausdauer und enormem Durchhaltevermögen ist er der klassische Box-to-Box-Staubsauger, der Räume zuläuft und Löcher stopft.
Am Ball zeichnet den 22-Jährigen eine hohe Ballsicherheit aus. Er agiert im Spielaufbau sehr verlässlich, wenn auch primär mit defensiver Absicherung. Während seine restlichen Werte im athletischen Bereich und in offensiven Aktionen eher im soliden Mittelfeld anzusiedeln sind, bringt er das passende Fundament mit, um das sportliche Erbe des physischen Ankers am Niederrhein anzutreten.
Gleichzeitig ist klar: Zento Uno ist aktuell noch nicht so weit, um beim VfL sofort die Rolle als Stammspieler einzunehmen. Er soll zwar das Profil von Engelhardt auffangen, muss aber zunächst an das deutlich höhere Tempo und die Physis der Bundesliga herangeführt werden. Das liegt auch an den weiteren personellen Entwicklungen im Gladbacher Kader.
Enzo Leopold (Hannover 96) ist das neue Herzstück des Mittelfelds und wechselte aus Niedersachsen an den Niederrhein. Er bekleidet kein altes Profil als Ersatz, sondern bringt ein komplett neues Profil als Mittelfeld-Chamäleon mit. Er wird in der kommenden Spielzeit gesetzt sein.
Mit den Verpflichtungen von David Herold (Karlsruher SC) für die linke Seite und Yukhym Konoplya (FK Shakhtar Donetsk) für die rechte Schiene schafft die Borussia außerdem neue Optionen auf den Außenbahnen. Diese Transfers haben direkte Auswirkungen auf das Zentrum: Jens Castrop muss dadurch nicht dauerhaft auf einer Außenbahn eingeplant werden und dürfte nach dem Wechsel von Rocco Reitz zu RB Leipzig mehr Spielzeit im Mittelfeld erhalten. Gleiches gilt für Philipp Sander, der perspektivisch ebenfalls häufiger zentral eingesetzt werden könnte.
Castrop und Sander dürften somit zunächst Vorteile im Konkurrenzkampf besitzen, während Uno eher behutsam aufgebaut wird. Ein statistischer Vergleich zwischen Uno sowie Castrop oder Sander ergibt aktuell allerdings nur bedingt Sinn, weil Castrop und Sander den Großteil der vergangenen Saison nicht im zentralen Mittelfeld eingesetzt wurden und ihre Werte deshalb nur eingeschränkt vergleichbar wären.
Somit kommt Uno nicht als 1:1-Ersatz für Engelhardt, sondern ersetzt lediglich dessen Spielerprofil im Kader. Mit Leopold, Sander und/oder Castrop setzt Gladbach im Zentrum auf neue Spielstile. Ein Abräumer, der als Kapitän seines alten Teams mit Ballsicherheit und starkem Tackling-Wert für Ordnung und noch mehr Stabilität sorgen kann, wird den Gladbachern gut zu Gesicht stehen.
Aufgrund der Konkurrenzsituation durch Leopold, Castrop und Sander sowie der notwendigen Anpassungszeit an das Niveau im deutschen Oberhaus dürfte sich der Kapitän seines ehemaligen Klubs zunächst eher hinten anstellen. Er könnte sich allerdings hinten raus auch an das deutsche Oberhaus angepasst haben und dann auf Startelfeinsätze drängen.
Wir prognostizieren Zento Uno 600–900/3000 Spielminuten in der Bundesliga.
Hinweis: Die Spielzeit ist abhängig von Sperren, Verletzungen, Mehrfachbelastung usw. – die Mehrfachbelastung der Vereine versuche ich ungefähr mit einzukalkulieren. Die ungefähre Maximalspielzeit pro Ligasaison liegt bei ca. 3000 Minuten. Diese hat bspw. Patrick Mainka erreicht, der weder gesperrt noch verletzt war und auch keine europäischen Wettbewerbe gespielt hat. Zum Vergleich liegen Spieler wie Dayot Upamecano oder Jonathan Tah bei rund 1700–2000 Spielminuten und gelten dennoch als Stammspieler. Die Prognose der Spielzeit gilt deshalb als Anhaltspunkt für euch, um besser zu verstehen, welche Rolle ich einem neuen Spieler in seinem Verein zutraue.
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