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Entwarnung nach Verletzung: Haaland- Rückkehr absehbar©Getty/LigaInsider

SCF-Marschroute: Bayern „auffressen“

Am kommenden Bundesliga-Wochenende steht für den SC Freiburg die Reifeprüfung schlechthin an: Der FC Bayern München gastiert im Breisgau. Nach den jüngsten Auftritten gegen den KRC Genk in der Europa League und dem FC St. Pauli in der Liga lässt sich ein klares taktisches Muster beim Team von Julian Schuster erkennen, das nun gegen den Rekordmeister auf die ultimative Probe gestellt wird.

 

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Die Grundformation der Freiburger blieb in den vergangenen beiden Partien stabil, wobei besonders der Spielaufbau eine zentrale Rolle einnimmt. Noah Atubolu agiert dabei fast wie ein dritter Innenverteidiger. Er positioniert sich zwischen den weit aufgefächerten Kollegen und wartet geduldig, bis er angelaufen wird. Ziel ist es, den Gegner zu locken, um dann entweder den freien Mann im Halbraum zu finden oder – wie so oft – den langen Ball auf Zielspieler Igor Matanović zu schlagen. Der kroatische Nationalspieler, der nach seiner USA-Reise physisch gefordert sein dürfte, ist das Herzstück dieser Strategie, indem er Bälle festmacht oder gefährlich verlängert.

 

Dabei muss Freiburg jedoch das Risiko minimieren: Querpässe in Tornähe oder eine zu enge Staffelung zwischen Atubolu und den Verteidigern, wie sie gegen St. Pauli teils zu sehen war, könnten gegen das bayerische Weltklasse-Pressing fatal enden.

 

Gegen tiefstehende oder kompakt pressende Gegner wie St. Pauli modifizierte Freiburg diesen Aufbau leicht. Wenn Atubolu nicht als Anspielstation diente, ließ sich meist Maximilian Eggestein fallen, um die Breite des Feldes maximal zu nutzen. Diese taktische Feinheit ermöglicht es auch den Außenverteidigern, höher zu schieben und Überzahlsituationen in den gefährlichen Zonen zu kreieren.

 

Besonders die linke Seite kristallisiert sich als spielstarkes Dreieck heraus: Johan Manzambi sucht oft die Verbindung zu Vincenzo Grifo und Jordy Makengo. Während Grifo sich gerne in den linken Halbraum fallenlässt, um das Spiel zu gestalten, sorgt Makengo für die nötige Absicherung und Tiefe. Dieser Fokus auf links dient als taktisches Gegengewicht zur rechten Seite, wo Yuito Suzuki als Freigeist hinzustoßen kann. Der Japaner, der insbesondere gegen Genk eine Gala-Vorstellung ablieferte, ist offensiv kaum zu greifen und weicht oft auf beide Seiten aus, während Niklas Beste rechts eher die Linie hält, mit seinem starken linken Fuß aber nach innen ziehen kann, um den Torabschluss zu suchen.

 

Das Spiel gegen den Ball

Der Sport-Club zeigte vor allem im Genk-Spiel sein „beißendes“ Gesicht. Ginter betonte nach dem Sieg, man habe den Gegner „auffressen“ wollen. Die Freiburger praktizierten ein extrem hohes Mann-gegen-Mann-Pressing, bei dem der 32-Jährige selbst durch aggressives Herausverteidigen glänzte. Gegen die Bayern ist diese Taktik jedoch ein zweischneidiges Schwert: Die Münchner sind deutlich pressingresistenter. Werden die Freiburger im Anlaufen überspielt, drohen Harry Kane und Co. die freien Räume hinter der Kette gnadenlos auszunutzen.

 

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Bild: Matthias Ginter erkennt die Möglichkeit der Eroberung im gegnerischen Drittel, schnappt sich den Ball, dringt in den Strafraum ein und liefert die Vorlage zum 2:0 gegen Genk.

 

Daher ist zu erwarten, dass Freiburg situativ in ein kontrollierteres Mittelfeldpressing übergeht. In dieser Phase agieren Matanović und Suzuki als „pendelnde“ Spitzen, die die Passwege ins Zentrum verriegeln. Diese Kompakt-Variante war in der Schlussphase gegen Genk zu beobachten und dürfte gegen die bayerische Spielstärke ein Mittel sein, um Verschnaufpausen zu bekommen. Die Partie gegen die TSG Hoffenheim Mitte Februar hat allerdings auch gezeigt, dass die Freiburger in solchen Phasen zur Passivität neigen und gefährliche Räume freigeben, weshalb nach der Pause auf eine Fünferkette umgestellt wurde.

 

Ein Knackpunkt wird die defensive Disziplin gegen Bayerns Rochaden sein. Kane agiert oft als spielmachende Neun und zieht die Innenverteidiger aus der Position. Hier wird Freiburg entscheiden müssen, wie weit sie ihren Gegenspielern folgen, ohne die eigene Kompaktheit aufzugeben. Zentral ist auch die Entwicklung von Matanović: Laut Schuster hat er gegen den Ball enorm zugelegt und fungiert nun als aktiver Pressingauslöser, der Innenverteidiger zu Fehlern zwingt – wie beim erzwungenen Ballverlust vor dem Grifo-Tor gegen Genk.

 

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Bild: Beispiel für die Hartnäckigkeit des eigentlichen Wandspielers Matanović: Da er den gegnerischen Innenverteidiger unter Druck setzt, kann Grifo den verunglückten Rückpass ins Tor schieben. Makengo (am unteren Bildrand) sichert Grifo übrigens auf der linken Seite ab, indem er weit vorne anläuft.

 

Das Spiel mit dem Ball

Die Wende gegen St. Pauli brachte erst die Umstellung auf einen breiteren Aufbau mit Dreierkette und die Einwechslungen von Ciriaque Irié sowie später Derry Scherhant. Diese brachten das nötige Tempo und die Eins-gegen-eins-Qualität ins Spiel. Auch die Rückkehr von Philipp Lienhart war entscheidend: Seine Diagonalbälle sorgten sofort für eine höhere Dynamik und verlagerten das Geschehen tief in die gegnerische Hälfte. Es ist daher fest davon auszugehen, dass Lienhart gegen Bayern von Beginn an neben Ginter aufläuft.

 

Draw-Ginter-RV-Pauli.jpg

Bild: Ginter ist weit auf der rechten Seite positioniert, während Eggestein und Manzambi das Zentrum sichern. Mit einem Kontakt leitet er ins Zentrum weiter, wo Matanović auf Grifo ablegt, der den freien Raum attackieren kann. Sein Schuss wird durch den Kroaten ins Tor abgefälscht.

 

Personell könnte Schuster für den Kracher gegen den Tabellenführer an ein paar Stellschrauben drehen. In der Offensive stellt sich die Frage nach der Frische. Sollte Matanović nach seinen Länderspieleinsätzen nicht bei 100 Prozent sein, stünde Lucas Höler bereit. Zudem ist Derry Scherhant ein Kandidat für die Startelf: Sein Tempo im Umschaltspiel könnte gegen hoch stehende Bayern effektiver sein als die spielgestalterischen Qualitäten von Grifo. Etwas unwahrscheinlicher ist, dass Patrick Osterhage ins Zentrum rückt und Manzambi auf den Flügel ausweicht. Was glaubt ihr, wer am linken Flügel starten wird?

 

 

 

 

Bruno Ogbus, der Lienhart solide vertrat, muss vermutlich auf die Bank, ist aber ebenfalls eine Option für die rechte Abwehrseite. Dies würde ermöglichen, den defensivstarken Treu eine Position nach vorne zu schieben, um den bayerischen Flügel zu doppeln – zulasten von Niklas Beste. Auf der linken Seite hat Jordy Makengo aktuell aufgrund seines besseren Stellungsspiels die Nase vor Christian Günter.

 

Voraussichtliche Aufstellung des SC Freiburg

 

Aufstellung

28. Spieltag
Lucas Höler
89
3,0

Höler

Niklas Beste
78
2,5

Beste

Derry Scherhant
3,5

Scherhant

Yuito Suzuki
90
5,0

Yuito

Maximilian Eggestein
3,5

Eggestein

Johan Manzambi
78
2,5

Manzambi

Matthias Ginter
3,0

Ginter

Christian Günter
65
4,0

Günter

Philipp Lienhart
3,5

Lienhart

Philipp Treu
4,0

Treu

Noah Atubolu
2,5

Atubolu

04.04.2026|Heimspiel gegenFC Bayern München|2:3

Bank

Lukas Kübler
4,5
Lukas Kübler
65
Igor Matanovic
4,5
Igor Matanovic
78
Cyriaque Irie
4,5
Cyriaque Irie
78
Bruno Ogbus
Bruno Ogbus
89
Nicolas Höfler
Nicolas Höfler
90

 

Der FC Bayern wird Freiburg vor Aufgaben stellen, die Genk oder St. Pauli nicht (dauerhaft) erfüllen konnten. Die Bayern binden ihre Außenverteidiger im Angriff oft als zusätzliche Achter ein, was die Freiburger Flügelstürmer zu enormer Defensivarbeit zwingt. Freiburg muss einen Weg finden, sich spielerisch zu befreien, da Matanović gegen das Duo Tah/Upamecano in der Luft einen schweren Stand haben wird. Entlastung durch flache Kombinationen ist hier geboten.

 

Zusätzlich werden Standardsituationen ein entscheidender Faktor sein. Freiburg kassierte zuletzt gegen St. Pauli ein Gegentor nach einer Ecke, ist aber selbst durch die Hereingaben von Grifo oder Beste immer gefährlich. Gegen die individuelle Klasse der Bayern muss jeder ruhende Ball als Großchance genutzt werden. Dazu gehören auch Einwürfe, die zu Saisonbeginn Lienhart, danach aber auch Treu und Manzambi als Flanken in den Strafraum brachten.

 

Zusammengefasst braucht der SC Freiburg gegen die Bayern die Aggressivität aus dem Genk-Spiel, gepaart mit der spielerischen Variabilität der zweiten Halbzeit gegen St. Pauli. Wenn Eggestein das Zentrum kontrolliert und die Defensive die Balance zwischen Herausverteidigen und Kompaktheit findet, ist eine Überraschung möglich, obwohl die Freiburger im eigenen Stadion klarer Außenseiter sind.

 

Wer gewinnt das Süd-Duell am 28. Spieltag?

 

 

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