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Entwarnung nach Verletzung: Haaland- Rückkehr absehbar©Getty/LigaInsider

Gladbachs Außenverteidigung: Klare Fehlplanung?

Bei Borussia Mönchengladbach ist in der Rückrunde 2025/26 ein strukturelles Defizit kaum noch zu übersehen: Der Kader umfasst aktuell nur noch zwei nominelle Außenverteidiger – Lukas Ullrich auf links und Joe Scally auf rechts. Damit steht die Borussia im Ligavergleich ganz alleine da. Während die übrigen 17 Bundesligisten im Schnitt auf 4,35 gelernte Außenverteidiger kommen, operiert Gladbach mit einem Minimalbestand, der kaum Spielraum für Ausfälle, Rotation oder taktische Anpassungen lässt.

 

Gerade vor dem Hintergrund der bisherigen Saisonentwicklung wirkt diese Situation zunehmend riskant – und wirft Fragen in der Kaderplanung auf.

 

Wie es zu dieser Situation kam

 

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Der Ursprung des Problems liegt im Wintertransferfenster. Kurz vor Transferschluss ließ Gladbach mit Luca Netz seinen bis dahin wichtigsten Linksverteidiger in Richtung Nottingham Forest FC ziehen – rund ein halbes Jahr vor Vertragsende. Sportlich war dieser Abgang keineswegs unbedeutend, denn Netz hatte in den ersten 20 Ligaspielen zehnmal in der Startelf gestanden, während Lukas Ullrich siebenmal begann.

 

Bis dahin verfügte die Borussia zumindest über drei gelernte Außenverteidiger und konnte die Belastung steuern, Formschwankungen ausgleichen und situativ reagieren. Mit dem Transfer änderte sich diese Ausgangslage schlagartig. Zwar brachte der Verkauf rund 2,5 Millionen Euro ein, ein sportlicher Ersatz wurde jedoch nicht verpflichtet. Seitdem ist der Außenbereich nur noch doppelt besetzt – ohne jede Form einer echten Ausfallreserve.

 

Rückblickend war genau diese Entscheidung der zentrale Wendepunkt. Der wirtschaftliche Nutzen wurde kurzfristig realisiert, um im Sommer zumindest nicht komplett ohne Transfererlös den Spieler zu verlieren. Das sportliche Risiko wurde jedoch vollständig in die Rückrunde mit noch 13 ausstehenden Bundesliga-Spielen verlagert.

 

Taktische Einschränkungen unter Eugen Polanski

 

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Unter Eugen Polanski setzte Gladbach in dieser Saison immer wieder auf unterschiedliche Grundordnungen. In fünf von 20 Spielen kam eine klassische Viererkette zum Einsatz – ein System, das funktionierende Außenverteidiger auf beiden Seiten zwingend voraussetzt.

 

Mit nur zwei Spezialisten wird diese Option jedoch zur permanenten Gratwanderung. Fällt einer aus, fehlt sofort eine natürliche Alternative. Rotation ist praktisch nicht möglich, Belastungssteuerung nur eingeschränkt umsetzbar. Die taktische Flexibilität hängt damit weniger von sportlichen Überlegungen ab als von der körperlichen Verfassung einzelner Spieler.

 

Gerade mit Blick auf die bisherige Nutzung beider Systeme – Dreierkette mit Schienenspielern und Viererkette mit traditionellen Außenverteidigern – wird deutlich, wie stark der Trainerstab mittlerweile von der Verfügbarkeit einzelner Akteure abhängig ist.

 

Improvisation als Dauerzustand

 

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Zwar versucht Gladbach, den personellen Engpass intern aufzufangen, doch die Lösungen bleiben notdürftig. Jens Castrop wurde mehrfach als Schienenspieler eingesetzt (sieben Startelfeinsätze in dieser Rolle), erfüllt diese Position grundsätzlich solide, ist jedoch körperlich auffällig anfällig. Seit Ende November verpasste er mehrere Spiele und Trainingseinheiten (Oberschenkelprobleme, vier Erkrankungen, Fußprellung) und fällt damit regelmäßig aus.

 

Zudem ist Castrop für eine Viererkette kaum geeignet. In Mangelsituationen griff Polanski auch auf Rocco Reitz oder Franck Honorat auf der rechten Schiene zurück (jeweils zwei Einsätze). Beide lösen die Aufgabe ordentlich, verlieren dort jedoch an Wirkung. Reitz wird im Zentrum auf der Acht gebraucht, Honorat im rechten Halbraum und als offensiver Fixpunkt.

 

Ihre Umfunktionierung schwächt damit nicht nur die Außenbahn, sondern gleichzeitig mehrere Schlüsselpositionen. Was kurzfristig funktioniert, wird so langfristig zur Belastung für die gesamte Mannschaftsstruktur.

 

Die linke Seite als strukturelles Kernproblem

Besonders kritisch ist die Lage auf der linken Seite. Hinter Lukas Ullrich existiert faktisch kein Backup. Weder gibt es einen weiteren gelernten Linksverteidiger noch einen natürlichen Linksfuß für die Schiene. Auch aus dem Nachwuchsbereich (U19/U23) drängt aktuell keine kurzfristige Alternative nach.

 

Zur Wahrheit gehört dabei auch, dass der Klub Anfang Januar mit Ullrich bis 2029 verlängert hat. Die langfristige Bindung unterstreicht zwar das Vertrauen in seine Entwicklung, erhöht zugleich aber die strukturelle Abhängigkeit, da weiterhin jede echte Konkurrenz auf dieser Position fehlt.

 

Fällt Ullrich aus oder muss leistungsbedingt pausieren, bleibt nur die Improvisation. Castrop agierte bereits zweimal auf seiner fußfremden Seite, obwohl er in seiner bisherigen Karriere dort kaum Erfahrung sammelte. Auch die Einwechslung von Fabio Chiarodia für Ullrich gegen Bayer 04 Leverkusen (1:1, 88. Minute) war eher Ausdruck der Not als eine nachhaltige Lösung.

 

In einem sogenannten Schattenkader wäre diese Position bei Gladbach derzeit praktisch unbesetzt – ein Zustand, der auf Bundesliga-Niveau kaum erklärbar ist.

 

Qualität, Konkurrenz und Spielstil

Hinzu kommt, dass die aktuelle Besetzung auch qualitativ nur begrenzte Reserven bietet. Joe Scally schneidet im Außenverteidiger/Schienenspieler-Ligavergleich in keiner relevanten Kategorie besser als auf Rang 20 ab. Bei progressiven Läufen belegt er Platz 59, bei Gegenpressing-Rückgewinnen Platz 63 und bei Ballgewinnen Platz 32.

 

Was meint ihr? Wer sollte auf der rechten Schiene am häufigsten spielen?

 

 

Lukas Ullrich bringt offensiv mehr Impulse, etwa bei Dribblings, Flanken und progressiven Läufen, offenbart defensiv jedoch weiterhin Schwächen. Beide liefern solide Leistungen, ohne konstant herauszuragen. Durch die fehlende Konkurrenz entsteht zudem kaum Leistungsdruck. Entwicklung, Stabilisierung und taktische Anpassung werden dadurch erschwert.

 

Diese personelle Lage wirkt sich auch auf die Spielanlage aus. Trotz des kopfballstarken Haris Tabaković, der vier seiner zehn Saisontore per Kopf erzielte, gehört Gladbach beim Flankenspiel nur zum Ligamittelfeld. Mit 187 Flanken aus dem offenen Spiel belegt die Borussia lediglich Rang 13.

 

Ohne verlässliche Schienenspieler fehlt häufig die Balance zwischen Absicherung und Offensivpräsenz, was das Flügelspiel limitiert und die Variabilität im letzten Drittel einschränkt.

 

Die verpasste Chance im Winter

 

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Vor diesem Hintergrund erscheint vor allem das Winterfenster rückblickend problematisch. Nach dem Abgang von Netz hätte mindestens eine Leihe bis zum Sommer nahegelegen – als Übergangslösung, zur Entlastung von Ullrich und zur Absicherung gegen Ausfälle. Diese Kaderlücke konnte Sportchef Rouven Schröder allerdings nicht füllen.

 

Eine solche Verpflichtung hätte das Risiko deutlich reduziert, die Viererkette abgesichert und Zeit für eine langfristige Planung verschafft. Stattdessen entschied man sich gegen jede Nachbesserung und nahm die strukturelle Unterbesetzung bewusst in Kauf.

 

Fazit: Eine Fehlplanung mit Langzeitwirkung

In der Gesamtschau verdichtet sich das Bild einer strategischen Fehlplanung. Gladbach verfügt über die dünnste Außenverteidiger-Besetzung der Liga, ohne echte Absicherung, ohne Nachwuchsperspektive und ohne nachträgliche Korrektur.

 

Solange Ullrich und Scally fit bleiben, lässt sich die Situation minimal kaschieren. Doch schon ein einzelner Ausfall kann eine Kettenreaktion auslösen und das gesamte Konstrukt destabilisieren – insbesondere vor dem Hintergrund der bereits mehrfach notwendigen Improvisationen.

 

Rückblickend hätte mindestens eine Zwischenlösung im Winter sportlich Sinn ergeben. Dass darauf verzichtet wurde, wirkt zunehmend wie ein unnötiges Risiko – eines, das der Borussia im weiteren Saisonverlauf noch teuer zu stehen kommen könnte.

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Basis: Vorsaison

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