©LigaInsider/Getty ImagesKarl-Verletzung: Auswirkung auf DFB und FC Bayern
Die deutsche Nationalmannschaft hat kurz vor dem Start des großen Turniers einen herben verletzungsbedingten Rückschlag zu verkraften. Offensiv-Juwel Lennart Karl vom FC Bayern München wird die anstehende Weltmeisterschaft komplett verpassen. Wie der DFB offiziell mitteilte, verletzte sich der Youngster im Abschlusstraining vor dem Länderspiel gegen die USA schwerwiegend. Eine eingehende medizinische Untersuchung brachte die bittere Gewissheit: Karl hat sich einen Muskelbündelriss zugezogen.
Der Blick auf unsere Daten verheißt wenig Gutes. Unsere Datenbank mit 142 vergleichbaren Profifällen weist bei dieser Diagnose einen Medianwert aus, der eine Ausfallzeit von rund 62 Tagen prognostiziert. Für den 18-Jährigen bedeutet dies nicht nur das vorzeitige und extrem schmerzhafte Aus für den WM-Traum, sondern auch einen erheblichen Rückschlag auf Vereinsebene. Karl dürfte voraussichtlich bis in den August hinein ausfallen. Damit verpasst er nicht nur das gesamte Turnier mit dem DFB-Team, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach auch weite Teile der Saisonvorbereitung beim FC Bayern München.
Beim überzeugenden 4:0-Testspielsieg gegen Finnland stand Karl noch in der Startelf und galt für die anstehende Weltmeisterschaft als aussichtsreicher Kandidat für die rechte Offensivseite. Bundestrainer Julian Nagelsmann muss nun umdisponieren.
Leroy Sané: Sané ist auf dem rechten Flügel zuhause und bringt die nötige internationale Erfahrung mit. Er verfügt über starke Eins-gegen-eins-Qualitäten und die Fähigkeit, mit seinem linken Fuß nach innen zu ziehen, um selbst zum Abschluss zu kommen oder Mitspieler in Szene zu setzen. Dass er das Vertrauen des Trainerteams in großen Spielen genießt, zeigte sich bereits bei der Europameisterschaft 2024, als er mehrfach auf der rechten Offensivseite zum Einsatz kam.
Jamie Leweling: Der Flügelspieler des VfB Stuttgart besticht durch seine Schnelligkeit und Dynamik. Mit seiner hohen Intensität gegen den Ball und seiner Bereitschaft zur Defensivarbeit bringt er ein Profil mit, das Karls Rolle zumindest in Teilen auffangen könnte. Da Leweling beim VfB gegen Ende der Saison häufig auf der Schiene zum Einsatz kam, würde er zudem zusätzliche Stabilität auf der rechten Seite ermöglichen. Dadurch könnte Joshua Kimmich im Spielaufbau situativ häufiger ins Zentrum einrücken.
Maximilian Beier: Der Dortmunder bringt ebenfalls Erfahrung auf den Außenbahnen mit. Im Gegensatz zu Sané oder Leweling sucht Beier allerdings häufiger den Weg in die Tiefe und orientiert sich stärker in Richtung Strafraum. Als klassischer Eins-zu-eins-Ersatz für Karl erscheint er daher zunächst weniger wahrscheinlich, könnte von den veränderten Konstellationen innerhalb des Kaders aber durchaus profitieren.
Eine weitere interessante Option für Nagelsmann wäre es, Jamal Musiala auf den rechten Flügel zu beordern und den Karl-Ersatz stattdessen auf der Zehnerposition zu finden. Ein solches Konstrukt wäre keineswegs neu: Bereits bei vergangenen Turnieren und Länderspielen wurde Musiala flexibel auf verschiedenen Offensivpositionen eingesetzt. Sollte Nagelsmann diesen Ansatz verfolgen, rücken andere Spielertypen in den Fokus.
Deniz Undav und Kai Havertz: Sollte Havertz im Sturmzentrum eingeplant sein und Undav nicht als klassische Nummer neun beginnen, könnte sich für den Stuttgarter eine neue Chance ergeben. Ebenso wäre denkbar, Havertz auf die Zehnerposition zurückzuziehen, wo er seine Stärken im Kombinationsspiel und in der Raumfindung ausspielen könnte.
Leon Goretzka und Nadiem Amiri: Setzt Nagelsmann auf zusätzliche Stabilität, Physis oder Erfahrung im Zentrum, kommen auch Goretzka und Amiri infrage. Beide könnten die Position hinter der Spitze auf unterschiedliche Weise interpretieren und dem deutschen Spiel jeweils eigene Akzente verleihen.
Assan Ouédraogo: Der Mittelfeldspieler von RB Leipzig wurde offiziell für den verletzten Karl nachnominiert. Für einen Platz in der Startelf dürfte der Youngster aktuell zwar eher kein Kandidat sein, als Joker für einzelne Spielphasen könnte er im Verlauf des Turniers dennoch eine Rolle spielen.
Nicht nur der DFB, auch der FC Bayern München ist von Karls Ausfall betroffen. Da Serge Gnabry verletzungsbedingt ebenfalls noch bis mindestens zum Beginn der Vorbereitung fehlen dürfte, entsteht in der Offensive vorübergehend zusätzlicher Bedarf.
Zu den möglichen Profiteuren zählt Tom Bischof. Der junge Mittelfeldspieler könnte dadurch in der Vorbereitung zusätzliche Einsatzzeiten erhalten und sich für eine größere Rolle empfehlen. Ein Vorteil aus seiner Sicht: Während zahlreiche Bayern-Profis bei der Weltmeisterschaft im Einsatz sind, kann sich Bischof vollständig auf die Vorbereitung beim Rekordmeister konzentrieren.
Darüber hinaus könnte die Verletzung Karls die Bedeutung möglicher Verstärkungen für die Offensive zusätzlich erhöhen. Bereits seit geraumer Zeit wird über die Verpflichtung eines flexibel einsetzbaren Offensivspielers spekuliert, der mehrere Positionen hinter Harry Kane bekleiden kann. Sollten die Münchner auf dem Transfermarkt tatsächlich aktiv werden, könnte ein Neuzugang angesichts der personellen Situation direkt auf relevante Einsatzzeiten hoffen.
Fest steht: Der Ausfall von Lennart Karl trifft die deutsche Nationalmannschaft ebenso wie den FC Bayern München. Während Nagelsmann kurzfristig eine neue Lösung für die rechte Offensivseite finden muss, beginnt für den 18-Jährigen nun ein Wettlauf gegen die Zeit, um möglichst schnell wieder auf den Platz zurückzukehren.




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