©Getty Images/LigaInsiderSaibari-Transfer: Viel Spielzeit als Alleskönner?
Ismael Saibari läuft künftig für den FC Bayern München auf. Mit ihm verpflichtet der Meister nicht einfach nur einen weiteren Offensivspieler für eine Position, sondern bekommt einen Spielertyp, der mehrere Rollen ausfüllen kann, wie unter anderem in diesem Beitrag aufgezeigt wird. Er passt damit zu den von Vincent Kompany ins Auge gefassten Anforderungen und soll sogar ein Wunschspieler des Cheftrainers gewesen sein: „Der Trainer Vincent Kompany hat eine große Rolle bei meiner Entscheidung gespielt - ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.“, so Saibari selbst in der offiziellen Verkündung des Klubs.
Die folgende Grafik zeichnet das Bild eines außergewöhnlich kompletten Offensivspielers. 19 Tore und neun Assists in 36 Pflichtspielen sprechen bereits für sich, die Daten dahinter werden aber noch beeindruckender.

Mit Spitzenwerten bei Dribblings, progressiven Aktionen, Schüssen und erwarteten Toren gehört der Marokkaner in nahezu allen offensiven Kernkategorien zur Elite seiner Position (im ligainternen Vergleich). Besonders auffällig ist dabei seine Vielseitigkeit: Saibari kann Angriffe selbst initiieren, Gegner im Eins-gegen-eins überspielen und gleichzeitig regelmäßig in Abschlusspositionen auftauchen.
Seine hohe Anzahl an Strafraumaktionen unterstreicht zusätzlich, dass er nicht nur vorbereitet, sondern selbst konstant Torgefahr ausstrahlt. Genau diese Kombination aus Kreativität und Abschlussstärke macht ihn so interessant.
Das Positionsmapping zeigt, dass Saibari am liebsten im Zentrum oder in den Halbräumen agiert. Zwar kann er auch über die Außen kommen, seine größten Stärken spielt er jedoch hinter der Spitze aus.
Das erklärt auch seine vergleichsweise schwachen Flankenwerte. Saibari sucht selten den Weg bis zur Grundlinie, sondern zieht bevorzugt in gefährliche Zonen ein, um selbst abzuschließen oder den letzten Pass zu spielen.
Die Schwächen finden sich vor allem gegen den Ball. Während er zwar ein durchaus starker Pressingspieler ist, gehören Luftduelle und Klärungsaktionen nicht zu seinen Stärken, was auf seiner Position zu verschmerzen ist. Ein größeres Problem ist seine risikoreiche Spielweise, die er nicht mit Ballsicherheit erwidern kann. Er vergleichsweise viele Ballverluste aus Pässen aber vor allem auch im direkten Zweikampf. Auch an seinem Timing bei Tiefenläufen darf er noch arbeiten. Er steht vergleichsweise sehr häufig im Abseits.
Dafür bekommt man allerdings einen Spieler, der im letzten Drittel nahezu jede Offensivaktion auf höchstem Niveau beherrscht.
Bayern sieht in Saibari offenbar mehr als nur eine Ergänzung, das untermauert schon die gezahlte Ablöse von über 50 Millionen Euro. Und auch wenn in puncto Daten unterschiedliche Liganiveaus zugrunde liegen, bewegt sich der Marokkaner in vielen entscheidenden Offensivkategorien auf Augenhöhe mit Jamal Musiala und Serge Gnabry.

Besonders auffällig sind seine Werte bei Toren, Torschussvorlagen, progressiven Läufen und erfolgreichen Dribblings. Hier erreicht Saibari teilweise sogar die besten Werte des Vergleichs. Das spricht für einen Spieler, der nicht nur Chancen kreiert, sondern selbst konstant für Torbeteiligungen sorgt.
Allerdings zeigt die zweite Grafik auch Unterschiede. Bei den Ballberührungen im Strafraum hat Musiala weiterhin leichte Vorteile, während Saibari in den Zweikampfwerten trotz seiner Physis keine herausragenden Werte erreicht. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass seine Daten aus der Eredivisie stammen und deshalb nicht eins zu eins mit Bundesliga-Werten vergleichbar sind.
Interessant ist dabei die unterschiedliche Interpretation der Rolle. Musiala sticht vor allem durch seine Strafraumpräsenz und seine Kreativität im Eins-gegen-eins hervor. Gnabry bringt viel Torgefahr und Tiefgang mit. Saibari vereint dagegen Elemente beider Spielertypen. Er sucht regelmäßig den Weg in den Strafraum, liefert gleichzeitig starke Vorlagenwerte und gehört zudem bei progressiven Läufen zur Spitzengruppe.
Der mögliche Transfer würde zudem Auswirkungen auf die Rollenverteilung innerhalb der Bayern-Offensive haben. Saibari könnte sowohl die Zehnerposition als auch die offensiven Halbräume besetzen beziehungsweise von einer Flügelposition aus spielen. Nicht nur das: Er gilt auch als Back-up für Harry Kane. Bayern erhält mehr Flexibilität bei der Verteilung der Spielminuten.
Gerade über eine lange Saison hinweg erhöht Saibari den Konkurrenzkampf kann gleichzeitig für Entlastung beim Star-Trio Olise, Díaz und Kane sorgen. Nicht ausgeschlossen aber, dass auch er selbst zu den Spielern gehören wird, die Entlastung brauchen: Vor dem Hintergrund, dass Musiala in den letzten Monaten noch nicht wieder zu Topform gefunden hat, ist vorstellbar, dass sich der Neuzugang auf der Zehnerposition in den Vordergrund spielt. Sollte ebenfalls der Transfer von Nathaniel Brown bald perfekt sein, könnten die Bayern in Zukunft so auflaufen:

Die Aufstellungsgrafik zeigt auf, wie Bayern Saibari am häufigsten einsetzen könnte. Anders als bei der PSV, wo der Marokkaner regelmäßig zwischen verschiedenen Offensivpositionen pendelte, würde er hier klar als zentraler Offensivspieler hinter Harry Kane agieren.
Genau diese Rolle scheint optimal zu seinem Profil zu passen. Die zuvor gezeigten Daten machen deutlich, dass Saibari Eigenschaften eines klassischen Zehners mit denen eines zusätzlichen Torjägers vereint. Zwischen den schnellen Außenbahnspielern Díaz und Olise könnte er die Räume im Zentrum besetzen und immer wieder in Abschlusspositionen nachstoßen.
Besonders spannend wäre dabei die Dynamik mit Kane. Während der Engländer gerne ins Mittelfeld ausweicht und sich am Kombinationsspiel beteiligt, könnte Saibari immer wieder die dadurch entstehenden Räume attackieren. Seine starken Werte bei Strafraumaktionen, progressiven Läufen und Abschlüssen sprechen genau für diese Art von Spiel. Seine Passqualität und Abschlussgefahr lässt aber auch zu, dass er die Rolle der falschen Neun übernehmen könnte, sollte Kane mal fehlen und gesteuert werden.
Ismael Saibari fügt dem FC Bayern ein Profil hinzu, das im aktuellen Kader nur selten zu finden ist. Der Marokkaner vereint Dribbelstärke, Kreativität und Torgefahr auf hohem Niveau und könnte sowohl als Zehner als auch in den Halbräumen eingesetzt werden. Seine Daten deuten darauf hin, dass Bayern einen Akteur verpflichtet hat, der das Offensivspiel auf mehreren Ebenen bereichern kann. Gleichzeitig wird dank seiner Vielseitigkeit die Belastung der etablierten Offensivkräfte besser verteilt, was Kompany zusätzliche taktische Möglichkeiten eröffnet.
Die Konkurrenz im Bayern-Kader ist enorm. Dennoch spricht Saibaris Profil dafür, dass er von Beginn an eine wichtige Rolle einnehmen kann. Durch die Dreifachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League sowie die notwendige Rotation prognostizieren wir für seine erste Saison 1500 bis 2200 Einsatzminuten von möglichen rund 3000 Minuten. Sollte er seine Leistungen aus Eindhoven schnell auf Bundesliga-Niveau bestätigen, wäre mittelfristig sogar mehr Spielzeit denkbar.




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