©Getty/LigaInsiderKompakt & Vertikal: Der HSV-Plan für Frankfurt
Der Hamburger SV geht nach drei Niederlagen in Serie mit wenig Selbstvertrauen in die letzten Partien, während Eintracht Frankfurt unter Albert Riera zwar wenig spektakulär, aber stabil agiert. Für die Hamburger wird es entscheidend sein, aus einer kompakten Grundordnung heraus die Spielkontrolle der SGE zu unterbinden. Dass Frankfurt unter Riera auf Ballbesitz und Kontrolle setzt, könnte dem HSV sogar entgegenkommen.
In der Defensive wird Trainer Merlin Polzin erneut auf eine Fünferkette setzen, um das Zentrum massiv zu verdichten. Das Ziel ist es, die Halbräume so eng zu machen, dass Frankfurter Spielmacher wie Can Uzun oder Farès Chaïbi keine Zeit am Ball finden. Da der HSV zuletzt Probleme bei der Verteidigung von Flanken offenbarte (siehe die Gegentreffer gegen Bremen und Hoffenheim), liegt das Hauptaugenmerk darauf, den Gegner gar nicht erst in die gefährlichen Zonen auf den Außenbahnen kommen zu lassen. Hierbei ist die Disziplin der Schienenspieler gefragt, die meist erst spät aus der Kette rücken.

Der HSV gegen Bremen: Deutliche Überzahl im Strafraum, aber weder eine Zuordnung noch Staffelung. Die Flanke von rechts findet den Kopf von Jens Stage.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Besetzung der Außenbahnen, insbesondere aufgrund des Fehlens von Miro Muheim. Sollten Albert Grønbæk links und Bakery Jatta rechts defensiv agieren, droht eine offensive Unwucht. Frankfurt wird versuchen, durch das Einrücken von Nathaniel Brown im Zentrum eine Überzahl zu schaffen, um die Hamburger Außenverteidiger in Eins-gegen-eins-Duelle gegen isolierte Flügelstürmer zu zwingen. Hier muss der HSV gegensteuern, um nicht überlaufen zu werden.
Wer sollte in Abwesenheit von Miro Muheim die linke Schiene besetzen?
Ein wesentliches Element im Matchplan des HSV ist Nicolás Capaldo. Da er dazu neigt, aggressiv aus der Linie herauszustechen, um zu pressen oder den Ball nach vorne zu treiben, bietet er Frankfurt eine potenzielle Angriffsfläche. Riera könnte versuchen, Capaldo gezielt aus der Formation zu locken, um den Raum dahinter für Tiefenläufe zu nutzen. Die Abstimmung mit dem zentralen Abwehrchef, zuletzt war es Jordan Torunarigha, wird hierbei über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Im Mittelfeldzentrum kommt Nicolai Remberg die Rolle des defensiven Ankers zu. Er muss auch als Absicherung fungieren, wenn Fábio Vieira als Freigeist zwischen den Linien agiert. Sollte Sambi Lokonga fit genug für die Startelf sein, könnte dies dem HSV mehr Stabilität im Übergangsspiel verleihen. Ohne Lokonga müsste Grønbæk im Zentrum bleiben und William Mikelbrencis würde vermutlich erneut links auflaufen.
Offensiv hat der HSV zuletzt weitgehend auf einen kontrollierten Spielaufbau verzichtet, um das Risiko von Ballverlusten zu minimieren und die Gegner mit langen Bällen zu fordern. Der Wandspieler Robert Glatzel wird gezielt gesucht. Glatzel soll die Bälle festmachen und auf den dynamischen Ransford Königsdörffer ablegen, der mit seinem Tempo die Schnittstellen der Frankfurter Defensive – womöglich erneut um den umfunktionierten Innenverteidiger Ellyes Skhiri oder mit Rückkehrer Rasmus Kristensen – attackieren soll.

Hamburger 4er-Aufbau mit den Innenverteidigern und Remberg am unteren Bildrand. Beide Schienenspieler schieben hoch und Warmed Omari schickt Jatta mit einem langen Diagonalball, den dieser erreicht, sich dann aber nicht im Zweikampf gegen Hoffenheims Albian Hajdari durchsetzen kann.
Dieses Überspringen der Linien dient dazu, den Druck von der eigenen Defensive zu nehmen und Frankfurt zu zwingen, weite Wege in die Rückwärtsbewegung zu machen. Gegen Hoffenheim hat sich gezeigt, dass diagonale Bälle auf Bakery Jatta ein probates Mittel sein können, um das Feld schnell zu überbrücken. Der Erfolg dieses Matchplans hängt jedoch ebenfalls davon ab, wie effektiv der HSV die zweiten Bälle nach den langen Schlägen erobern kann.
Ein weiterer Schlüssel für den HSV liegt im aggressiven Anlaufen der Frankfurter Hintermannschaft in ausgewählten Momenten. Insbesondere Torhüter Michael Zetterer hat unter Druck zuletzt Schwächen im Spielaufbau gezeigt. Polzin könnte seine Mannschaft anweisen, in Phasen, in denen Frankfurt den Ball zirkulieren lässt, auf Auslöser zu warten, um plötzlich ins Angriffspressing überzugehen, Fehler zu provozieren und durch schnelle Umschaltmomente zum Erfolg zu kommen.

Die Formationen beider Teams vom letzten Spieltag. Beide agieren mit asymmetrischen Ketten. Der rechte Schienenspieler steht höher als der linke. Muheim schaltete sich vor seiner Verletzung gerne in den zentralen Aufbau ein, wie auf der Gegenseite Brown.
Vieira spielt in diesem Konstrukt die Rolle des kreativen Bindeglieds. Sobald der HSV den Ball in der gegnerischen Hälfte gesichert hat, muss Vieira die Freiheit nutzen, um Glatzel und Königsdörffer mit präzisen Pässen in Szene zu setzen. Da Frankfurt dazu neigt, bei gegnerischem Ballbesitz das Zentrum extrem eng zu machen, wird es auch darauf ankommen, durch schnelle Seitenwechsel die asymmetrische Verschiebung der SGE sowie deren Mannorientierung auszunutzen.
Das Frankfurter Publikum könnte bei einem zähen Spielverlauf zum Faktor werden. Wenn der HSV es schafft, das Spiel lange torlos zu halten und Frankfurts Ballbesitzfußball im Keim zu ersticken, wird die Unruhe auf den Rängen wachsen. Dies könnte Frankfurt zu riskanteren Aktionen zwingen, was wiederum Räume für Hamburger Konter öffnet. Geduld und defensive Disziplin sind hierfür die Grundvoraussetzungen.

Aufstellung




Glatzel


Königsdörffer


Fábio Vieira


Jatta


Sambi


Remberg


Grønbæk


Torunarigha


Omari


Capaldo


Fernandes
Eintracht Frankfurt|1:2Bank





Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der HSV über eine extrem kompakte Defensive und ein schnörkelloses Umschaltspiel zum Erfolg kommen kann, wobei dieser Ansatz in den vergangenen Spielen nicht zufriedenstellend umgesetzt wurde. Die Vermeidung von Fehlern im eigenen Aufbau und das konsequente Ausnutzen der Frankfurter Schwächen sind essenziell. Es wird ein Spiel der Nadelstiche sein, in dem die physische Präsenz von Glatzel gegen eine spielerisch orientierte Frankfurter Abwehr den Ausschlag geben könnte.
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