Prömel-Transfer: Wer spielt neben Stiller?
Mit der ablösefreien Verpflichtung von Grischa Prömel hat der VfB Stuttgart seinem Mittelfeld nicht nur Erfahrung, Intensität und Führungsqualität hinzugefügt – der Transfer wirft gleichzeitig auch die spannende Frage auf: Wer wird künftig neben Angelo Stiller spielen?
In der abgelaufenen Spielzeit war diese Rolle meist klar verteilt. Atakan Karazor gab den absichernden Sechser, räumte defensiv viel ab und ermöglichte Stiller den spielerischen Rhythmus im Aufbau. Dahinter entwickelte sich mit Chema Andrés zudem ein weiterer Spieler, der defensiv bereits bemerkenswert stabil wirkte und gleichzeitig Potenzial im Ballbesitz andeutete.
Mit Prömel kommt nun allerdings ein ganz anderer Spielertyp hinzu.
Denn obwohl Prömel ebenfalls zentral im Mittelfeld zu Hause ist, interpretiert er die Rolle deutlich offensiver. Der 31-Jährige ist keine klassische Holding Six, sondern vielmehr ein intensiver Box-to-Box-Spieler, der ständig Wege ins letzte Drittel sucht und vor allem durch Dynamik, Tiefenläufe und Torgefahr auffällt.
Genau das zeigte er zuletzt auch bei der TSG Hoffenheim: Acht Tore und drei Vorlagen aus dem zentralen Mittelfeld sind für einen Bundesliga-Achter ein starker Wert. Prömel bringt Wucht, Aggressivität gegen den Ball und enorme Laufstärke mit. Gerade in intensiven Spielen kann das für Stuttgart extrem wertvoll werden.

Im direkten Profilvergleich wird dabei gut sichtbar, warum beide Spieler trotz ähnlicher Grundpositionen unterschiedliche Aufgaben mitbringen. Karazor ist klar der defensivere Mittelfeldspieler, der stärker über Stellungsspiel, Luftduelle und Absicherung kommt. Prömel hingegen bietet mehr Dynamik im letzten Drittel und deutlich mehr Torgefahr.
Im Gegenzug verliert man mit ihm aber etwas Kontrolle und technische Sauberkeit im Aufbau. Genau dieser Aspekt ist im Stuttgarter Spiel normalerweise enorm wichtig. Der VfB lebt unter anderem davon, gegnerisches Pressing spielerisch aufzulösen und sich kontrolliert durchs Zentrum zu kombinieren. Karazor und vor allem Stiller geben dort bislang viel Struktur.
Prömel verändert deshalb womöglich weniger die Rolle neben Stiller – sondern eher die Dynamik des gesamten Mittelfelds.
Gerade deshalb könnte Chema Andrés intern sogar enorm wichtig werden. Der Spanier bringt defensiv bereits viele Qualitäten mit, wirkt im Ballbesitz aber teilweise sauberer und pressingsicherer als Karazor. Sollte Angelo Stiller irgendwann den nächsten Karriereschritt gehen, könnte Chema perspektivisch sogar eine noch zentralere Rolle im Aufbau übernehmen.
Gleichzeitig darf man nicht unterschätzen, warum Stuttgart überhaupt einen Spieler wie Prömel verpflichtet hat. Sowohl Karazor als auch Chema zeigten in der Vergangenheit immer wieder kleinere Konzentrationsfehler oder Phasen, in denen die letzte Konsequenz fehlte. Genau dort setzt Prömels Profil an.
Der Neuzugang bringt Erfahrung, Abgeklärtheit und eine enorme Intensität mit. Er geht konsequent in Duelle, organisiert mit und sorgt für Stabilität im Rhythmus eines Spiels. Gerade auf höchstem Niveau kann das entscheidend werden.
Genau deshalb wirkt es aktuell durchaus möglich, dass Prömel zunächst gar nicht als unumstrittener Stammspieler eingeplant ist. Vielmehr könnte er je nach Gegner und Wettbewerb unterschiedlich eingesetzt werden.
Vor allem in der Champions League dürfte sein Profil enorm gefragt sein. Dort könnte Stuttgart bewusst mehr Dynamik, Intensität und Tiefgang aus dem Mittelfeld mitbringen. Denkbar erscheint außerdem, dass Prömel situativ sogar eine Position weiter vorne eingesetzt wird – etwa als Konkurrenz zu Bilal El Khannouss, wenn der VfB mehr Direktheit und Torgefahr aus dem Zentrum heraus erzeugen möchte und schneller als sonst in die offensiv gefährlichen Bereiche vordringen könnte.

Die mögliche Formation zeigt dabei gut, wie flexibel Prömel eingebunden werden könnte. Neben Angelo Stiller würde er seine Rolle deutlich offensiver interpretieren als Karazor. Gleichzeitig hätte Stuttgart weiterhin genügend Absicherung im Zentrum und könnte durch Prömels Tiefenläufe zusätzliche Präsenz rund um den Strafraum erzeugen.
Die große Stärke des Transfers liegt daher womöglich weniger in einer festen Startelfrolle, sondern vielmehr darin, dass Stuttgart nun deutlich flexibler auf Gegner und unterschiedliche Spielverläufe reagieren kann.
Ich prognostiziere Grischa Prömel eine mögliche Einsatzzeit von etwa 1500/3000 Spielminuten in der Liga.
Was glaubt ihr, wer bei einem Stiller-Verbleib die meiste Spielzeit neben ihm in der Liga bekommen könnte?
Hinweis: Die Spielzeit ist abhängig von Sperren, Verletzungen, Mehrfachbelastung usw. – die Mehrfachbelastung der Vereine versuche ich ungefähr mit einzukalkulieren. Die ungefähre Maximalspielzeit pro Ligasaison liegt bei ca. 3000 Minuten. Diese hat bspw. Patrick Mainka erreicht, der weder gesperrt noch verletzt war und auch keine europäischen Wettbewerbe gespielt hat. Zum Vergleich liegen Spieler wie Dayot Upamecano oder Jonathan Tah bei rund 1700–2000 Spielminuten und gelten dennoch als Stammspieler. Die Prognose der Spielzeit gilt deshalb als Anhaltspunkt, um besser zu verstehen, welche Rolle einem Spieler im Verein zugetraut wird.
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