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Fünf Testspiele, fünf Siege, 18:2 Tore – und dann dieses 0:7. Eintracht Frankfurt hatte sich unter Rückkehrer Adi Hütter eigentlich Schritt für Schritt eine positive Sommervorbereitung aufgebaut, ehe der Brentford FC bei der Generalprobe innerhalb von 90 Minuten nahezu alles infrage stellte. Zumindest auf den ersten Blick.

 

Testspiele sollte man nicht überbewerten. Das gilt für ein 7:1 gegen den FC Gießen genauso wie für ein 0:7 gegen einen Premier-League-Klub. Irgendwann erreicht ein Ergebnis aber eine Dimension, bei der es zu einfach wäre, alles mit dem Wort „Vorbereitung“ abzuhaken. Brentford hat bei der Eintracht keine neuen Probleme geschaffen. Die Engländer haben die bereits vorhandenen nur schonungslos sichtbar gemacht.

 

Hütter selbst sprach nach der Partie davon, dass seiner Mannschaft „ganz klar die Grenzen aufgezeigt“ worden seien. Noch deutlicher war seine Analyse der körperlichen Unterschiede: Zweikampfführung, Schnelligkeit und Reaktionsschnelligkeit hätten nicht dem notwendigen Niveau entsprochen. Schon nach dem vorherigen 2:0-Test gegen den Hull City AFC hatte der Trainer öffentlich erklärt, der Kader sei noch nicht so, wie er ihn sich vorstelle.

 

Das 0:7 sollte deshalb weder Anlass für Panik noch für Aktionismus sein. Wohl aber ein letzter Hinweis darauf, dass Markus Krösches Arbeit in diesem Transfersommer noch nicht beendet sein kann.

 

Die Erfolgsaussichten dieser Frankfurter Mannschaft hängen aktuell an fünf Bedingungen: Ein neuer Linksverteidiger, ein weiterer Innenverteidiger, ein neuer Stürmer, eine überzeugende Lösung im Tor – und der Verbleib von Can Uzun.

 

Das System steht – der Kader dafür noch nicht

Bei einer Sache hat die Vorbereitung inzwischen für ziemlich große Klarheit gesorgt: Hütter möchte grundsätzlich im 4-2-2-2 spielen. Genau in dieser Ordnung trat Frankfurt auch gegen Brentford an.

 

Die Idee dahinter passt grundsätzlich zum vorhandenen Spitzenpersonal. Frankfurt kann im Zentrum kompakt stehen, mit zwei Stürmern aggressiv anlaufen und nach Ballgewinnen schnell viele Spieler in gefährliche Räume bringen. Vor allem Ritsu Dōan und Uzun profitieren von den beiden eingerückten Offensivpositionen. Beide fühlen sich zwischen den Linien wohl, suchen Kombinationen in engen Räumen und können aus den Halbräumen immer wieder selbst Richtung Strafraum ziehen.

 

Gerade Uzun bekommt damit Räume, in denen seine größten Qualitäten zur Geltung kommen: Er kann sich tiefer den Ball holen, Angriffe einleiten, selbst Abschlüsse suchen oder den letzten Pass spielen. Dōan bringt wiederum die technische Sauberkeit und Spielintelligenz mit, um auf der anderen Seite ähnliche Räume zu besetzen.

 

Personell ist dieses System aber auch gnadenlos. Es verlangt den Außenverteidigern sehr viel ab, benötigt eine physisch starke und laufintensive Zentrale und funktioniert vorne nur dann richtig, wenn sich die beiden Angreifer ergänzen. Genau dort wird sichtbar, weshalb der aktuelle Kader noch nicht fertig ist.

 

Aufstellung

1. Spieltag
Kaua Santos

Kauã S.

Elias Baum

Baum

Keita Kosugi

Kosugi

Raphael Onyedika

Onyedika

Robin Koch

Koch

Arthur Theate

Theate

Ritsu Doan

Dōan

Hugo Larsson

Larsson

Jonathan Burkardt

Burkardt

Younes Ebnoutalib

Ebnoutalib

Can Uzun

Uzun

29.08.2026|Auswärts gegen1. FC Union Berlin

 

Mit dieser Elf könnte Frankfurt heute grundsätzlich in die Saison gehen. Die entscheidende Frage lautet aber nicht, ob sie Bundesliga spielen kann. Die Frage muss angesichts der Ambitionen der Eintracht lauten: Ist sie gut und tief genug besetzt, um wieder ernsthaft um die europäischen Plätze zu kämpfen? Die Antwort darauf ist aktuell: nein.

 

Außenverteidigung: Das größte Risiko des 4-2-2-2

Kaum eine Position zeigt das Problem deutlicher als die Außenverteidigung. Nominell stehen mit Elias Baum, Keita Kosugi, Niels Nkounkou und Timothy Chandler vier gelernte Außenverteidiger im Profikader. Nkounkou gilt allerdings weiterhin als Wechselkandidat, Chandler ist mit 36 Jahren keine Option, die über eine komplette Saison als erste Alternative eingeplant werden sollte. Übrig bleiben praktisch Baum und Kosugi – und damit zwei Spieler, die vor einer enormen Aufgabe stehen.

 

Baum bringt aus seiner bisherigen Karriere insgesamt gerade einmal 96 Bundesliga-Minuten mit. Kosugi wiederum blieb seit seinem Winterwechsel komplett ohne Pflichtspielminute für die Eintracht. Beide gehen mit praktisch keiner Bundesliga-Erfahrung in die neue Saison. Das bedeutet nicht, dass sie die Qualität dafür nicht besitzen. Im Gegenteil: Gerade Baum hat sich in dieser Vorbereitung einiges erarbeitet. Das Problem ist ein anderes: Frankfurt zwingt zwei sehr junge und auf diesem Niveau unerfahrene Außenverteidiger praktisch zu einem Kaltstart – und gibt ihnen dahinter kaum eine Absicherung.

 

Wie dünn die Position besetzt ist, zeigte ausgerechnet Brentford. Nachdem Kosugi ausgewechselt worden war, musste Baum nach links wechseln und Ansgar Knauff Rechtsverteidiger spielen. Für ein System, in dem die Außenverteidiger aufgrund der eingerückten Dōan und Uzun enorme Räume bearbeiten müssen, ist das deutlich zu wenig.

 

Die höchste Priorität auf dem Transfermarkt sollte deshalb ein neuer Linksverteidiger sein. Gesucht wird kein reines Entwicklungsprojekt, sondern ein Spieler, der bereits regelmäßig auf hohem Niveau gespielt hat, Athletik und Ausdauer mitbringt und genug Dynamik besitzt, um die linke Seite auch offensiv nahezu alleine zu bearbeiten. Kosugi könnte sich dann ohne gewaltigen Sofortdruck entwickeln, Minuten sammeln und den Konkurrenzkampf aufnehmen. Genau diese Rolle würde seiner aktuellen Situation wesentlich besser entsprechen.

 

Ein spannendes Profil dafür wäre Arsène Kouassi vom Lorient FC. Der 21-Jährige kommt aus einer Saison mit zehn Scorerpunkten in 31 Ligue-1-Einsätzen und vereint vor allem Dynamik, enorme Laufstärke und einen ausgeprägten Offensivdrang. Gerade für Hütters 4-2-2-2 sind das interessante Eigenschaften. Weil Dōan und Uzun immer wieder nach innen ziehen, müssen die Außenverteidiger die Breite geben, große Räume bearbeiten und im Idealfall über 90 Minuten beide Richtungen abdecken. Kouassis Ausdauer und Athletik würden genau dazu passen.

 

Frankfurt bekäme einen Außenverteidiger mit unmittelbarer offensiver Produktivität, der bereits eine komplette Saison auf hohem Niveau absolviert hat und mit seinem Profil eine Dimension in das Frankfurter Spiel bringen könnte, die aktuell fehlt.

 

Im Sturm fehlt nicht nur ein Spieler – sondern ein Bindeglied

Fast ebenso dringend ist die Situation im Angriff. Hütter lässt seit Wochen mit zwei Stürmern spielen. Gleichzeitig hat Eintracht Frankfurt den eigenen Angriff massiv ausgedünnt beziehungsweise plant genau das weiterhin.

 

Noel Futkeu wurde inzwischen für eine Saison an die SV 07 Elversberg verliehen. Die Saarländer besitzen zusätzlich eine Kaufoption. Michy Batshuayi ist bereits nach Saudi-Arabien gewechselt, Jessic Ngankam besitzt in Frankfurt keine echte Perspektive und auch bei Elye Wahi deutet vieles weiterhin auf einen Abschied hin.

 

Damit bleiben für zwei Sturmpositionen im Kern Jonathan Burkardt, Younes Ebnoutalib und Malik Pimpong. Pimpong hat bislang noch kein Profispiel absolviert. Ebnoutalib wiederum hatte nach seinem Wechsel ein schwieriges erstes halbes Jahr, wurde früh von einer Verletzung ausgebremst und bekam anschließend unter Albert Riera kaum noch Einsatzzeit. Es wäre deshalb fahrlässig, Burkardt und Ebnoutalib ohne ernsthafte Konkurrenz und Absicherung in eine komplette Bundesliga-Saison zu schicken. Dabei geht es aber nicht nur um Quantität.

 

Das 0:7 gegen Brentford hat ein zweites Problem gezeigt: Die Verbindung zwischen Angriff und restlicher Mannschaft war teilweise komplett weg. Burkardt und Ebnoutalib standen vorne, dahinter klafften jedoch immer wieder Räume. Frankfurt bekam seine Angreifer kaum sauber ins Kombinationsspiel.

 

Genau deshalb passt Louey Ben Farhat als mögliche Lösung so gut. Nicht, weil Frankfurt einfach irgendeinen weiteren Stürmer benötigt, sondern weil der 20-Jährige eine Funktion übernehmen könnte, die dem aktuellen Angriff fehlt.

 

Ben Farhat ist kein klassischer Mittelstürmer, der permanent an der letzten Linie klebt. Er kann als hängende Spitze agieren, sich fallen lassen, zwischen Mittelfeld und Angriff anspielbar werden und mit Ball selbst Dynamik entwickeln. Neben einem wuchtigen und pressingstarken Angreifer wie Burkardt könnte genau daraus eine interessante Symbiose entstehen.

 

Burkardt attackiert Räume, setzt die gegnerische Defensive unter Druck und sucht konsequent den Strafraum. Ben Farhat könnte sich davon lösen, Verbindungen herstellen und Angriffe mitgestalten. Statt zwei Stürmern, die isoliert auf Zuspiele warten, bekäme Hütter vorne einen Spieler, der das Mittelfeld mit dem Angriff verbindet und selbst Ideen im Kombinationsspiel mitbringt.

 

Der Kontakt zwischen Frankfurt und Ben Farhat ist ohnehin nicht neu. Der KSC-Stürmer soll sich bereits mit der Eintracht geeinigt haben, während die Klubs bei der Ablöse noch auseinanderliegen. Karlsruhe hofft dem Vernehmen nach auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

 

Innenverteidigung: Frankfurt braucht einen Stabilisator

Der dritte Feldspieler, der noch fehlt, ist ein Innenverteidiger. Nicht, weil die geplante Stammkombination aus Robin Koch und Nnamdi Collins grundsätzlich infrage gestellt werden muss. Collins bringt mit seiner Dynamik viele Eigenschaften mit, die für Hütters hohe Verteidigungslinie wertvoll sind, Koch bleibt Kapitän und Führungsspieler. Das Problem beginnt vielmehr dahinter.

 

Otávio ist ein interessanter Transfer für die Zukunft, muss sich körperlich und sportlich aber erst an die Bundesliga heranarbeiten. Arthur Theates Zukunft ist offen, zudem gehörte der Belgier nach einer guten ersten Saison im vergangenen Jahr nicht mehr zu den konstantesten Frankfurtern.

 

Und was passiert, wenn Koch oder Collins ausfallen, zeigte allein die Generalprobe ziemlich anschaulich. Koch musste gegen Brentford mit einer leichten Gehirnerschütterung ausgewechselt werden. Eine strukturelle Verletzung wurde zwar ausgeschlossen, doch ausgerechnet dieser Moment führte noch einmal vor Augen, wie wichtig zusätzliche Verlässlichkeit im Zentrum wäre.

 

Gesucht wird deshalb bewusst kein weiteres reines Entwicklungstalent. Frankfurt braucht einen Innenverteidiger, der schon einiges gesehen hat: groß und stark in der Luft, sauber im Stellungsspiel, kommunikativ, möglichst fehlerarm – gleichzeitig aber schnell genug, um hinter einer hochstehenden Abwehr große Räume verteidigen zu können.

 

Ein Spieler, der ziemlich genau in dieses Raster passen würde, ist Kike Salas vom Sevilla FC. Der 24-jährige Linksfuß kommt bereits auf 100 Pflichtspiele für die Andalusier und vereint damit ein interessantes Alter mit Erfahrung auf hohem Niveau. Vor allem in der Luft besitzt Salas große Qualitäten. Dazu verteidigt er schnörkellos und kompromisslos – eher klassischer Innenverteidiger als spielerisches Experiment.

 

Gerade diese Mischung wäre für Frankfurt interessant. Salas wäre mit 24 Jahren noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung, gleichzeitig aber auch kein weiterer Innenverteidiger, bei dem erst abgewartet werden müsste, ob er körperlich und mental schon bereit für ein hohes Niveau ist. Als Linksfuß würde er Hütter zudem eine weitere Option im Aufbau geben und könnte die bestehende Besetzung sinnvoll ergänzen.

 

Torwart: Aus einem Fragezeichen könnte eine komplette Rochade werden

Vor wenigen Tagen hätte man die Torwartposition noch nicht zwingend unter die beiden größten Transferprioritäten eingeordnet. Nach dem Brentford-Spiel und vor allem nach den Entwicklungen danach sieht die Situation anders aus.

 

Wichtig ist dabei zunächst eine faire Einordnung: Kauã Santos war beim 0:7 nicht an sieben Gegentoren schuld. Die größeren Fehler passierten vor ihm, Frankfurt wurde als Mannschaft auseinandergenommen. Ihn jetzt zum Hauptverantwortlichen für diesen Nachmittag zu machen, wäre viel zu einfach. Sein Fehler beim zweiten Gegentor hat allerdings eine Diskussion neu entfacht, die ohnehin nie vollständig verschwunden war.

 

Und inzwischen könnte daraus weit mehr als nur ein erneuter Konkurrenzkampf mit Michael Zetterer werden. Der kicker berichtet, dass sich Frankfurt mit Noah Atubolu beschäftigt und den Freiburger sogar als Wunschlösung betrachtet. Absolut Fußball meldet darüber hinaus, dass Santos die Eintracht noch verlassen soll. Gleichzeitig soll Leeds United Interesse an Zetterer angemeldet haben. Das würde theoretisch sogar eine komplette Rochade ermöglichen.

 

Und da kommt Noah Atubolu ins Spiel. Mit 24 Jahren ist er jung genug, um die Position langfristig zu besetzen, verfügt gleichzeitig aber bereits über mehrere Jahre Bundesliga-Erfahrung. Er hat längst bewiesen, dass er eine komplette Saison als Nummer eins auf diesem Niveau tragen kann, und besitzt trotzdem noch Entwicklungspotenzial sowie einen entsprechenden Wiederverkaufswert.

 

Genau diese Kombination macht ihn für Frankfurt interessant. Die Eintracht könnte eine Position, auf der seit längerer Zeit keine dauerhafte Ruhe eingekehrt ist, nicht nur kurzfristig neu besetzen, sondern langfristig lösen. Gleichzeitig wäre eine solche Entscheidung unmittelbar vor dem Pflichtspielstart natürlich alles andere als geräuschlos.

 

Noch problematischer wäre es allerdings, nur aus Angst vor Unruhe an einer Konstellation festzuhalten, von der man intern nicht vollständig überzeugt ist. Sollte sich tatsächlich die Möglichkeit ergeben, Atubolu zu verpflichten und gleichzeitig für Santos beziehungsweise Zetterer passende Lösungen zu finden, müsste Frankfurt diese zumindest ernsthaft prüfen.

 

Eine Baustelle hat Frankfurt endlich geschlossen

Bei aller Kritik an der bisherigen Kaderplanung sollte aber auch erwähnt werden, was in diesem Sommer gut gelaufen ist. Frankfurt hat endlich sein Zentrum verstärkt: Mit Raphael Onyedika und Noël Aséko wurden zwei Spieler bis 2031 gebunden, die perspektivisch die neue Frankfurter Doppel-Sechs bilden sollen.

 

Onyedika ist körperlich bereits weiter, wurde nach seiner Ankunft direkt integriert und spielte gegen Brentford sogar über die komplette Distanz. Aséko braucht dagegen Geduld. Wegen seiner Knieprobleme konnte er bislang weder ein Testspiel bestreiten noch regulär mit der Mannschaft trainieren. Deshalb dürfte es dauern, bis Hütter seine eigentlich geplante Zentrale erstmals gemeinsam aufstellen kann.

 

Trotzdem ist dieser Teil der Kaderplanung richtig und wichtig. Frankfurt hat in den vergangenen Jahren immer wieder eine Mannschaft mit hoher individueller Qualität gestellt, ohne im Zentrum dauerhaft die optimale Mischung aus Athletik, Zweikampfstärke, Dynamik und spielerischer Qualität zu finden. Für rund 22 Millionen Euro hat die Eintracht dort nun zwei Spieler verpflichtet, die langfristig zusammenpassen könnten.

 

Das wiederum hat Folgen für Hugo Larsson. Der Schwede bleibt ein qualitativ hochwertiger Spieler und wäre weiterhin eine starke Option. Bei einem entsprechenden Angebot könnte ein Verkauf inzwischen aber sportlich eher aufgefangen werden als noch vor wenigen Wochen.

 

Der wichtigste „Transfer“ wäre ein Verbleib

Bei einem Spieler muss man dagegen eine sehr klare Grenze ziehen. Frankfurt darf Uzun in diesem Sommer eigentlich nicht mehr verlieren.

 

Es gibt Situationen, in denen eine außergewöhnliche Ablöse einen Verein zum Nachdenken zwingen muss. Frankfurt lebt seit Jahren auch davon, Spieler enorm weiterzuentwickeln und mit großem Gewinn weiterzuverkaufen. Aber irgendwann muss eine Mannschaft auch noch Fußball spielen.

 

Nathaniel Brown hat den Verein bereits verlassen. Schon ein Jahr zuvor gingen mit Omar Marmoush und Hugo Ekitiké zwei herausragende Offensivspieler verloren. Wieder sämtliche Unterschiedsspieler innerhalb kürzester Zeit zu verkaufen, würde irgendwann aus einem Geschäftsmodell ein sportliches Problem machen.

 

Uzun holt sich Bälle tiefer ab, übernimmt Verantwortung, sucht kreative Lösungen, schießt selbst, tritt Standards und kann Spiele mit einer einzelnen Aktion verändern. In einem Kader, der an vielen Stellen noch nach einer neuen Hierarchie sucht, ist er aktuell der Spieler, um den herum sich das Offensivspiel entwickeln kann.

 

Ein Uzun-Verkauf würde deshalb die komplette Bewertung dieses Transfersommers verändern. Einen Linksverteidiger, Innenverteidiger, Stürmer und womöglich Torwart zu verpflichten, während gleichzeitig der wichtigste kreative Spieler der Mannschaft geht, wäre kein Schritt nach vorne. Es wäre das Schließen neuer Löcher, während man an anderer Stelle das größte wieder aufreißt.

 

Erst verkaufen, dann richtig investieren

Natürlich lässt sich die Wunschliste nicht losgelöst von den finanziellen Möglichkeiten betrachten. Krösche muss den Kader nicht nur verbessern, sondern gleichzeitig verkleinern. Genau darin liegt die Schwierigkeit dieses Sommers. Bereits vor Brentford hatte Hütter öffentlich erklärt, dass sein Aufgebot noch nicht seinen Vorstellungen entspricht. Gleichzeitig soll die Zahl der Feldspieler deutlich reduziert werden.

 

Futkeu ist bereits verliehen. Bei Batshuayi zeichnet sich die nächste Lösung ab. Skhiri spielt in den sportlichen Planungen keine entscheidende Rolle mehr; mit dem 1. FC Köln besteht nach BILD-Informationen auf Vereinsebene sogar bereits Einigkeit, offen sind vor allem die finanziellen Vorstellungen des Spielers.

 

Daneben stehen mit Ngankam, Nkounkou und Wahi weitere Spieler im Raum, deren Zukunft nicht in Frankfurt liegt. Bei entsprechenden Angeboten darf auch über Bahoya, Theate oder Chaïbi gesprochen werden. Selbst Larsson wäre aufgrund der neu geschaffenen Situation im zentralen Mittelfeld kein kategorisches Tabu.

 

Gerade Bahoya zeigt dabei, wie sehr ein Systemwechsel auch den Wert einzelner Kaderplätze verändern kann. Als klassischer Flügelspieler besitzt er enorme Qualitäten, für diese Position gibt es in Hütters bevorzugtem 4-2-2-2 aber schlicht keinen natürlichen Platz. Auch deshalb gilt er in diesem Sommer als möglicher Verkaufskandidat.

 

Es geht also nicht darum, möglichst viele Spieler loszuwerden. Frankfurt muss aus einem großen Kader einen passenden Kader machen – und das freigewordene Geld anschließend gezielt in jene Profile investieren, die Hütter tatsächlich benötigt.

 

So könnte Frankfurt um Europa spielen

Wenn die Eintracht ihre offenen Positionen schließt und Uzun hält, verändert sich das Bild dieser Mannschaft deutlich.

 

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Plötzlich hätte Frankfurt deutlich mehr Balance: einen geklärten Torwartposten, einen neuen Linksverteidiger, ein neu aufgestelltes Zentrum und mit Ben Farhat einen Stürmer, der die Offensive mit dem Mittelfeld verbinden kann.

 

Das wäre ein Kader, dem man wieder ernsthaft zutrauen könnte, um Europa mitzuspielen. Aktuell ist die Eintracht von diesem Zielbild allerdings noch drei bis vier gezielte Transfers entfernt.

 

Viel Zeit bleibt nicht mehr

Das Gute für Frankfurt: Die Saison entscheidet sich nicht am 15. August in Brentford. Das Schlechte: Besonders viel Vorbereitungszeit gibt es ab jetzt nicht mehr.

 

Am Freitag wartet in der ersten Pokalrunde mit dem SC St. Tönis zunächst ein Oberligist. Danach folgen in der Bundesliga Union Berlin, der FC Augsburg und Mainz 05. Auf dem Papier ist das ein Auftaktprogramm, in dem Frankfurt sofort Punkte sammeln kann – und angesichts der Unruhe nach der vergangenen Saison vielleicht sogar sammeln muss. Der Bundesligastart steigt am 29. August in Berlin, zwei Tage später schließt das Transferfenster.

 

Hütter hat nach dem 0:7 bewusst darauf verzichtet, einzelne Spieler öffentlich herauszugreifen. Das ist richtig. Dieses Ergebnis war kein individuelles Versagen von Kauã Santos, Robin Koch, Keita Kosugi oder irgendeinem anderen Spieler. Frankfurt war als Mannschaft in nahezu allen Bereichen unterlegen.

 

Die 0:7-Niederlage gegen Brentford muss am Ende nicht der Beginn einer schwierigen Saison gewesen sein. Vielleicht war sie tatsächlich der von Hütter beschriebene Schuss vor den Bug zum richtigen Zeitpunkt. Dafür muss die Eintracht allerdings die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Denn das größte Problem dieses Kaders ist momentan nicht Hütters 4-2-2-2. Es ist, dass Frankfurt noch nicht alle Spieler dafür hat.

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Basis: Vorsaison

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