Mammutaufgabe aus dem Nichts für Kölns Trainer René Wagner: Das Rhein-Derby gegen den angeschlagenen Rivalen aus Mönchengladbach steht bevor. Der eigene Saisonstart verlief nicht optimal, der Job des Trainers soll gerüchteweise bereits in Gefahr sein – und nun fallen auch noch beide Stammstürmer gleichzeitig und langfristig aus. Umso mehr gilt bei den Geißböcken das altbekannte Motto: „Et hätt noch immer jot jejange.“
Die Köpfe werden also nicht hängen gelassen und damit ihr wisst, was von den Kölnern zu erwarten ist, schaue ich mir an, welche realistischen Optionen Wagner nun bleiben und welche Vor- und Nachteile die jeweiligen Lösungen mit sich bringen.
Die naheliegende, aber auch sinnvolle Variante?

Aufstellung




Bülter


S. El Mala


Moore


Maina


Jóhannesson


Skhiri


Sosa


Lochoshvili


Simpson-Pusey


Sebulonsen


Schwäbe
Borussia Mönchengladbach|2:1Bank





Zusammenfassung:
Vorteile:
• Bülter geeignet als intensiver Anläufer gegen den Ball
• Bülter geeignet als flexible Anspielstation, aber weniger im Zentrum
• Positionsflexibilität vorhanden durch Moore und Maina
Nachteile:
• Variante unter Wagner gegen tiefen Gegner gescheitert (32. Spieltag 25/26 vs. Heidenheim)
• Unterzahl-Situationen im Mittelfeld
• Große Probleme nach überspieltem Pressing
Erklärung:
Die naheliegendste Option wäre ein 1:1-Ersatz durch Marius Bülter. Zwar ist er kein typischer Wandspieler wie Ragnar Ache, als Anspielstation funktioniert er dennoch. Im Zentrum erhielt er in der vergangenen Saison mit 0,52 Anspielen pro 90 Minuten zwar vergleichsweise wenige Bälle. Im letzten Drittel insgesamt waren es mit 6,6 pro 90 Minuten allerdings die meisten aller Kölner Stürmer.

Entscheidend wäre deshalb, Bülter die nötige Freiheit zu geben, immer wieder auf die Flügel auszuweichen. Von dort kann er die erhaltenen Bälle verarbeiten und gefährliche Angriffe einleiten. Mit Mikey Moore auf der Zehn und Linton Maina rechts stehen grundsätzlich genügend flexible Spieler zur Verfügung, um diese Bewegungen aufzufangen. Theoretisch ist die Variante daher durchaus plausibel.
Dennoch ist die Gefahr, die aus den erhaltenen Pässen resultiert, sehr mager im Vergleich. Betrachtet man die erwartete Gefahr (xT = expected Threat), die Ache und Bülter letzte Saison durch Pässe erhalten haben, oder anders gesagt: Wie viele Tore hätten aus den erhaltenen Pässen statistisch resultieren müssen? Dann ist es ein signifikanter Unterschied und macht klar, dass Bülter weit entfernt davon ist, Ache ersetzen zu können. Beide hatten vergleichbare Spielzeit in der vergangenen Saison. Ache allerdings hatte 7,16 erwartete Tore angehäuft durch Ballannahmen, Bülter hingegen nur 3,3, also nicht einmal die Hälfte.
Allerdings ist ein ähnlicher Ansatz unter Wagner bereits gescheitert: Am 32. Spieltag der vergangenen Saison verlor Köln mit 1:3 gegen Heidenheim. Vor allem gegen einen tiefer stehenden Gegner offenbarte die Variante Probleme. Genau das könnte auch im Derby gegen Gladbach relevant werden. Aufgrund der schwierigen vergangenen Wochen ist denkbar, dass die Borussia mit weniger Risiko nach Köln reist und zunächst tiefer verteidigt.
Ein weiteres Problem könnte die Besetzung im Mittelfeld sein. Sollte Köln mit einer Doppelsechs auf ein mutmaßliches Dreiermittelfeld der Gladbacher treffen, droht spätestens nach überspieltem Pressing eine Unterzahl im Zentrum. Bülter eignet sich zwar hervorragend als erster Anläufer, Gladbachs neuer Trainer Alexander Blessin weiß allerdings genau, wie sich ein Angriffspressing mit einem flexiblen Zehner-/Achtertyp überspielen lässt.
Mit Hugo Bolin steht ihm dafür ein Spielertyp zur Verfügung, der dafür geeignet sein könnte und eine ähnliche Rolle wie Danel Sinani unter Blessin bei St. Pauli erfüllen könnte. Gerade solche flexiblen Bewegungen könnten Köln vor Probleme stellen, wenn die beiden Sechser schon mit Gladbachs Sechsern beschäftigt sind.
Die mögliche Unterzahl im Mittelfeld würde zudem den Zugriff auf die gefährlichen ersten Pässe hinter die hoch stehende Kölner Kette erschweren. Deshalb halte ich mindestens eine weitere Variante für relevant und taktisch geeignet.
4-3-3: Zentrum dicht - Gefahr über die Flügel und Halbräume

Aufstellung




Schwäbe


Sebulonsen


Mensah


Skhiri


Simpson-Pusey


Lochoshvili


Jóhannesson


Krauß


S. El Mala


Maina


Moore
SV 07 ElversbergHinweis: Nicht wundern über die Anzeige "10. Spieltag" und "Auswärtsspiel gegen SV Elversberg" – ich nutze diese Ansicht momentan noch als Workaround, bis wir individuelle Aufstellungen unabhängig vom Spieltag direkt einbinden können.
Zusammenfassung:
Vorteile:
• konstante Gleichzahl im Mittelfeld
• Mittelfeldpressing lockt Gladbacher weiter vor
• Viel Gefahr in der Tiefe
Nachteile:
• weniger Angriffspressing, da klassische Anläufer vorne fehlen
• Lange Bälle kaum effektiv, flaches Rausspielen erforderlich
• weniger Fehlertoleranz im Aufbau
Erklärung:
Said El Mala kennt die zentrale Rolle im 4-3-3 und dürfte besonders gefährlich werden, wenn er regelmäßig in die Tiefe geschickt wird. Die Probleme der Gladbacher sind eklatant und auch Blessin wird sie nicht von heute auf morgen wegzaubern können.
Ein weiterer, primär ballstarker Mittelfeldspieler wie Ísak Jóhannesson würde Köln zudem mehr Möglichkeiten im Spielaufbau geben. So könnte man die Pressingphasen der Gladbacher zumindest in der ersten Linie auch flach überspielen und anschließend die dynamischen Offensivspieler in die Tiefe schicken.
Gegen den Ball könnte man sich primär aufs Mittelfeldpressing fokussieren, was die Gladbacher automatisch ein paar Meter nach vorne holt und weitere Tiefenräume eröffnet, die nach Ballgewinnen im Mittelfeld gefährlich über El Mala ausgespielt werden könnten.
Entscheidend wäre dabei vor allem, im Mittelfeld möglichst in Gleichzahl zu bleiben. Kein Gladbacher sollte regelmäßig frei zwischen den Linien angespielt werden können, um anschließend schnell hinter die Kölner Defensive zu spielen oder auf die Flügel zu verlagern. Gerade dort könnten ansonsten Räume für gefährliche Hereingaben entstehen, wenn Köln nicht rechtzeitig Zugriff bekommt und mit den Außenverteidigern zu hoch steht, um zu pressen.
Darüber hinaus könnte Köln aus dem 4-3-3 heraus ohne größere Anpassungen der Raumaufteilung auch Mann gegen Mann verteidigen. Bei der erwarteten Gladbacher Anordnung wäre das durchaus eine Option. Dann entscheiden vor allem Momentum, Konzentration und der Wille auf dem Platz – Faktoren, die sich durch ein Heimspiel schnell auf die eigene Seite ziehen lassen.
Wer wird Ache und Dallinga auf der Neuner-Position ersetzen?
Schickt uns eure Aufstellungen inkl. passender Begründung zu euren Ideen und Möglichkeiten über die Funktion in der App. Einfach die aktuelle VA nach links swipen und loslegen!
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