Top-Elf-Prognose: Union Berlin im Check
Während hinter den Kulissen die Kaderplanungen für die neue Spielzeit auf Hochtouren laufen, halten wir euch auf LigaInsider wie gewohnt mit unseren prognostizierten Top-Elf-Aufstellungen der Bundesligisten auf dem Laufenden.
Das Prinzip unserer Prognosen bleibt dabei unverändert: Wir zeigen euch die aus unserer Sicht beste Formation eines Klubs – grundsätzlich unabhängig von körperlichen Blessuren. Nur wenn ein verletzter Spieler voraussichtlich mehr als die komplette Hinrunde verpasst, könnte es gut sein, dass wir ihn für die Top-Elf nicht berücksichtigen.
Da sich auf dem Transfermarkt kontinuierlich etwas tut, versteht sich von selbst, dass es sich hierbei um dynamische Prognosen handelt. Sobald es wichtige Kaderänderungen gibt, werden die Aufstellungen und die dazugehörigen Artikel fortlaufend aktualisiert.
Union Berlin: Neue Ausrichtung unter Lustrinelli
In diesem Check richten wir den Fokus auf die voraussichtliche Top-Elf des 1. FC Union Berlin. Das viele Jahre an der Alten Försterei praktizierte Dreierketten-System scheint zum Auslaufmodell zu werden. Unter dem neuen Cheftrainer Mauro Lustrinelli deutet vieles auf eine Viererkette als Hauptordnung hin. Der Schweizer bevorzugt grundsätzlich ein 4-4-2 beziehungsweise 4-2-2-2-System, situativ ist auch eine Variante mit einem 4-2-3-1 denkbar. Hinten ist jedoch von einem Viererriegel auszugehen.
Die größte Baustelle wartet auch dort: Mit Danilho Doekhi und Diogo Leite haben zwei Stammkräfte die Hintermannschaft verlassen. Zwar gibt es schon einen Rückkehrer für die Defensive und ein weiterer Transfer scheint nur noch Formsache zu sein, dennoch muss Union die entstandenen Lücken erst einmal schließen.
Torwart: Der Rückhalt bleibt unverändert
Top-Elf: Frederik Rønnow (33)
An der Nummer eins gibt es bei den Eisernen wohl keine Zweifel. Rønnow geht in seine fünfte Saison als Stammtorhüter und zählt weiterhin zu den wichtigsten Führungsspielern im Kader. Bei seiner Vertragsverlängerung vor einigen Monaten brachte Geschäftsführer Horst Heldt den Stellenwert des Dänen auf den Punkt: „Frederik ist ein herausragender Torhüter, der mit seiner Qualität, seiner Erfahrung und seiner Persönlichkeit eine Schlüsselfigur unserer Mannschaft darstellt.“ Solange Rønnow fit ist (im Saisonfinish fehlte er verletzt), führt an ihm voraussichtlich kein Weg vorbei.
Abwehr: Umbruch mit vielen Fragezeichen
Rechter Außenverteidiger: Christopher Trimmel (39) | Alternativen: Josip Juranović (30), Neuzugang
Den Eisernen würde neuer Input auf den Außenbahnen zwar guttun, doch aktuell deutet wenig darauf hin, dass Union hier noch einmal personell nachlegt. Trimmel ist ein Gesicht des Vereins und bleibt trotz seines Alters weiter im Rennen. Er dürfte zudem von der Umstellung auf die Viererkette profitieren. Er bringt Stabilität und Erfahrung mit, würde in der Defensive zur besseren Absicherung beitragen.
Juranović besitzt zweifellos sehr gute Voraussetzungen, konnte seine Qualität wegen wiederholter Verletzungsprobleme bislang aber nie dauerhaft auf den Platz bringen. Und somit auch seine Top-Elf-Relevanz nicht untermauern. Bleibt der Kroate mal durchgehend beschwerdefrei, könnte sich das Bild allerdings ändern.
Hinzu kommt die Möglichkeit eines Abgangs bei Juranović. Sollte sich der 30-Jährige entscheiden, noch mal woanders eine Herausforderung zu suchen (und Union mit den Konditionen eines Wechsels einverstanden ist), würden die Berliner auf der Position nachlegen. Ein Spieler mit Top-Elf-Relevanz wäre zu erwarten.
Rechter Innenverteidiger: Leopold Querfeld (22) | Alternative: Neuzugang, Marvin Friedrich (30)
Querfeld gehörte in der vergangenen Saison zum Stammpersonal und war insbesondere bei Standardsituationen ein wichtiger Faktor. Gerade dieser Aspekt dürfte auch unter Lustrinelli eine große Rolle spielen. Gleichzeitig bringt der Österreicher eher das Profil eines klassischen Dreierketten-Verteidigers mit. Für eine dauerhaft hoch stehende Kette fehlen ihm etwas Tempo und Timing.
Nichtsdestotrotz sehen wir ihn in der Top-Elf, sofern es mit einem Verbleib klappt. Dieser ist nämlich alles andere als sicher. Laut Informationen von Sky läuft der Vertrag des Österreichers nur noch ein Jahr und beinhaltet obendrein eine Ausstiegsklausel. Unter der Voraussetzung, dass dies zutreffend ist, sind das erst mal keine guten Aussichten für Union. Nach den Abgängen von Diogo Leite (27) und Danilho Doekhi (27) könnte also auch der dritte Stamm-Verteidiger der abgelaufenen Saison unter Umständen gehen.
Mit Friedrich kehrt immerhin schon ein alter Bekannter zurück. Seine stärkste Zeit in der Bundesliga erlebte er einst im Union-Trikot. Zuletzt spielte er bei Borussia Mönchengladbach jedoch kaum noch eine Rolle, sodass ihm Spielrhythmus fehlt. Selbst in der Saison 2024/25 war für Friedrich bei den Fohlen nur phasenweise Bedarf in der Startelf. Ob er noch einmal dauerhaft Bundesliga-Niveau auf den Platz bringen kann, muss sich erst zeigen. Wir zeigen ihn vorerst als Alternative in der Innenverteidigung an.
Linker Innenverteidiger: Neuzugang
Nach den Abgängen der Leistungsträger Doekhi und Leite wird Union Berlin in der Innenverteidigung auf jeden Fall noch hochkarätig nachlegen müssen. Ein Name, mit dem die Verhandlungen schon weit fortgeschritten sein sollen, ist Zeno Van den Bosch. Der 22-Jährige war vergangene Saison Stammspieler bei Belgiens Erstligisten Royal Antwerpen und besitzt laut dem Portal Transfermarkt bereits einen Marktwert von 6 Millionen Euro.
Der junge Belgier bringt zwar großes Potenzial mit, muss den Nachweis auf Bundesliga-Ebene aber natürlich erst noch erbringen. Daher ist auch unklar, inwieweit er direkt für die Top-Elf eingeplant werden kann. Zudem spielt er vorwiegend auf der rechten Innenverteidigung, was ihn auch zu einem möglichen Querfeld-Ersatz machen könnte, sollte dieser den Verein verlassen.
Unabhängig von Van den Bosch dürfte Union in der Innenverteidigung noch nachlegen, was eine Bewertung der Einsatzchancen zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwierig macht.
Linker Außenverteidiger: Derrick Köhn (27) | Alternative: Tom Rothe (21), Neuzugang
Auf der linken Seite gibt es aktuell ein enges Duell zwischen Köhn und Rothe. Köhn bringt das höhere Tempo mit und könnte dadurch insbesondere bei der Arbeit gegen den Ball Vorteile besitzen. Allerdings gelang es ihm bislang nur selten, diese körperlichen Voraussetzungen konstant in defensive Stabilität umzumünzen.
Rothe punktet dagegen mit seiner Physis und seiner Präsenz in den Duellen. Der 21-Jährige überragt Köhn bei der Körpergröße um zwölf Zentimeter und bietet dadurch zusätzliche Möglichkeiten im Luftspiel. Aktuell sehen wir keinen im eindeutigen Vorteil.
Möglicherweise gibt es aber auch auf dieser Position noch Veränderungen. Allen voran an Köhn soll es Interesse aus dem europäischen Ausland geben. Flattert ein für alle Seiten passendes Angebot rein, müsste es Rothe künftig mit einem Neuzugang aufnehmen.
Mittelfeld: Junge Spieler rücken stärker in den Fokus
Rechtes Mittelfeld: Neuzugang | Alternative: Wooyeong Jeong (26)
Wir gehen davon aus, dass Union in diesem Bereich noch einmal nachlegt. Für das von Lustrinelli bevorzugte System fehlt es an klassischen Außenbahnspielern. Viele Akteure im Kader sind vorzugsweise eher im Zehner- oder Stürmerbereich angesiedelt.
Mit abgebildet ist hier Jeong, der insgesamt zumindest als Top-Elf-Überlegung nicht fehlen sollte. Der Südkoreaner hat bereits ausreichend Impact gezeigt und bringt die Intensität mit, die im Berliner Spiel gefragt ist. Er wäre jedoch eben nicht der Typ Flügelspieler. Seine größte Stärke liegt eher im Halbraum als auf dem Flügel. Der offensive Output ist ausbaufähig, dennoch stimmen abseits davon die Performance-Werte, sodass das Scoring-Thema auch nachrangig werden kann.
Defensives Mittelfeld: András Schäfer (27) | Alternativen: Rani Khedira (32), Neuzugang
András Schäfer bringt vieles von dem mit, was der neue Trainer Lustrinelli schätzt: Seine Pressingstärke und die hohe Intensität passen hervorragend zur Spielidee. Wir sehen Schäfer aktuell auch deshalb ganz vorne, weil sich bei Khedira ein Wechsel anbahnen könnte – er geht in sein letztes Vertragsjahr.
Sollte Khedira wider Erwarten doch bleiben, hätte er dank seiner Erfahrung und seiner Rolle als Organisator weiterhin gute Chancen auf den Platz im defensiven Mittelfeld, zumal er sich bisher immer durchgesetzt hat und sein defensiver Part dem Team guttut. Allerdings wird sein fehlendes Tempo zunehmend sichtbar.
Daher lautet unsere Prognose: Khedira ist mittelfristig nicht mehr unumstritten. Sollte er den Verein verlassen (wovon wir derzeit ausgehen), wird Union auf dieser Position definitiv noch einmal nachlegen. Ein solcher Neuzugang würde sich dann ein direktes Duell mit Schäfer um den Startplatz liefern.
Zentrales Mittelfeld: Aljoscha Kemlein (21)
Die Berliner wollen künftig stärker auf die Talentförderung achten – und Kemlein ist eines der spannendsten Gesichter dieses Ansatzes. Der Mittelfeldspieler bringt Qualitäten mit Ball mit, die im aktuellen Kader nur wenige Spieler besitzen. Lustrinelli steht zwar für intensiven Fußball, spielt aber keineswegs nur Langholz, sondern sucht auch Lösungen im Ballbesitz. Genau dort kommt Kemlein ins Spiel. Darüber hinaus kann er situativ abkippen, zwischen die Innenverteidiger oder auf eine Halbposition, sodass Union auch auf diese Weise auf das Spiel des Gegners reagieren kann. Für uns gehört er deshalb ohne Einschränkungen in die Top-Elf.
Linkes Mittelfeld: Livan Burcu (21) | Alternative: Wooyeong Jeong (26)
Auch Burcu profitiert vom eingeschlagenen Kurs der Berliner. Viele Union-Fans hätten ihn bereits in der vergangenen Saison gerne häufiger auf dem Feld gesehen. Das Potenzial für eine deutlich größere Rolle ist vorhanden.
Ex-Interimstrainerin Marie-Louise Eta lobte den Offensivspieler zum Saisonende ausdrücklich und hob insbesondere dessen Kreativität und Abschlussqualität hervor. Burcu besitze die Fähigkeit, Spiele an sich zu reißen und im letzten Drittel den Unterschied auszumachen. Unter Lustrinelli könnte er noch stärker gefragt sein – ob nun auf der Außenbahn oder mehr im Zentrum.
Ihn bereits als unangefochtenen Stammspieler zu feiern, kommt allerdings zu früh. Dafür reichte es in der Vorsaison noch zu selten für die erste Elf. Mit Jeong steht zudem ein Konkurrent bereit.
Angriff: Das perfekte Duo für den neuen Trainer?
Stürmer: Ilyas Ansah (21)
Lustrinelli setzte in der Vergangenheit häufig auf eine Kombination aus schnellem Tiefenläufer und robustem Wandspieler. Ansah verkörpert dabei den dynamischen Part nahezu ideal. Der Angreifer bringt Tempo, Physis und Entwicklungspotenzial mit. Unter Berücksichtigung seines direkten Sprungs aus der 2. Bundesliga fiel seine Premierensaison absolut ordentlich aus. Hinzu kommt, dass Union bei jungen Spielern auch auf die Wertentwicklung schaut. Genau deshalb dürfte Ansah eine wichtigere Rolle einnehmen.
Stürmer: Andrej Ilić (26)
Ilić übernimmt den Gegenpart. Obwohl er phasenweise mit seiner Torquote haderte, war sein Wert für die Mannschaft stets hoch. Sowohl Steffen Baumgart als auch später Marie-Louise Eta betonten immer wieder seine Bedeutung gegen den Ball. Vor allem sein aktives Anlaufen, seine Laufbereitschaft und seine Arbeit für die Mannschaft machen ihn für das System wertvoll. Dass seine Scorerzahlen im letzten Saisondrittel wieder anstiegen, spricht zusätzlich für den Serben. Gemeinsam mit Ansah bildet er aktuell das passendste Sturmduo für die Spielidee des neuen Trainers.
Oliver Burke (29) bleibt in unseren Planungen für die Top-Elf vorerst außen vor, was sich aber noch ändern kann. Wir sehen ihn eher als Spielertypen an, den Union vor allem bei Führungen einwechseln kann. Als Entlastungsspieler, der mit seiner Wucht und Geschwindigkeit die tiefen Räume beläuft, kann er in der zweiten Spielhälfte wertvoll werden. Verbesserungspotenziale bestehen unter anderem weiterhin im wichtigen Anlaufverhalten gegen den Ball – auch wenn er sich in diesen Bereichen zuletzt durchaus verbessert gezeigt hat.
Fazit
Mit Lustrinelli beginnt beim 1. FC Union Berlin eine neue Ära. Der Schweizer bringt klare Vorstellungen mit und dürfte den Eisernen nach Jahren mit Dreierkette nun eine Viererkette verordnen. Gleichzeitig bleibt die Grundidee des Berliner Fußballs erhalten: Intensität, Kompaktheit und ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft.
Die größte Baustelle befindet sich aktuell in der Defensive. Die Abgänge von Doekhi und Leite reißen eine Lücke, die Union noch nicht vollständig geschlossen hat. Und auch hinter Querfeld steht noch ein dickes Fragezeichen. Mit der Rückkehr von Friedrich und der erwarteten Verpflichtung von Van den Bosch wurden aber erste Schritte eingeleitet.
Im Mittelfeld und in der Offensive deutet sich dagegen ein spannender Wandel an. Spieler wie Kemlein, Burcu oder Ansah stehen exemplarisch für den Fokus auf junge, entwicklungsfähige Akteure. Gerade Kemlein könnte unter Lustrinelli eine Schlüsselrolle einnehmen, da seine Fähigkeiten im Ballbesitz perfekt zur geplanten Spielidee passen.
Wichtig wird sein, ob Union die Planstellen auf den Flügeln (im 4-2-2-2) und in der Defensive hochwertig besetzen kann. Gelingt das, verfügt der Kader über genügend Qualität, um eine ruhige Saison im Bundesliga-Mittelfeld zu spielen.
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Daher seid jetzt auch ihr gefragt: Wie bewertet ihr die ersten Ansätze unter Mauro Lustrinelli? Reicht der aktuelle Kader für die Umstellung auf die Viererkette aus und welche Rolle traut ihr den jungen Spielern wie Kemlein, Burcu oder Ansah in der kommenden Saison zu? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!
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Kommentare
Kommentierenbernd0315 · 19:49 · Antworten ·
Linus Güther könnte der neue Shootingstar bei Union werden, und wird hier mit keiner Silbe erwähnt 🤡